Ein Boiler in London

[Maus] Soooo. Hallo erstmal!

Lang ist’s her, dass wir aus Coventry berichtet haben aber das hatte seine Gründe. Wir haben in den vergangenen Wochen viel erlebt. Vor zwei Wochen haben wir einen Ausflug nach London gemacht. Es gab zwei Gründe für diesen Ausflug: 1. Meine Verwandtschaft in London besuchen und 2. Boiler und Senf, den uns die beiden Londoner zu Ostern ins Auto geschmuggelt hatten, abliefern.

Der Tag fing allerdings nicht so gut an. Es schüttete wie aus Eimern und wir sind mit Boiler und Senf im Regen zum Bahnhof gestiefelt. Als ob wir nicht schon nass genug gewesen wären, haben uns dann auch noch eine ganze Reihe Autofahrer eine unfreiwillige Seitendusche verpasst. Ich hatte noch Glück, weil Michael mein Schutzschild war. Klitschnass sind wir dann eine gute Stunde Zug gefahren und wurden London Euston abgeholt. Unsere beiden Londoner waren überrascht, dass wir mit Boiler und Senf angereist waren, aber unser Häuschen war einfach noch nicht aufgeräumt genug, dass wir darin viel mehr als unseren eigenen Kram hin- und herstapeln wollten. Und so kam es, dass wir einen Ausflug mit Boiler unternahmen.

Zunächst führte uns eine kurze Busfahrt zum Highgate Cemetery. Es lohnt sich wirklich, diesen Friedhof zu erkunden. Fans von Douglas Adams („Per Anhalter durch die Galaxis“) sollten mit ihrem Handtuch unbedingt mal sein Grab besuchen. Michael hatte keins dabei. Wie peinlich! Es überraschte mich aber, zu sehen, dass man hier sehr viel entspannter mit Gräbern umgeht als in Deutschland. Die zweite berühmte Persönlichkeit, der man einen Besuch abstatten sollte, ist Karl Marx, dessen Bewunderer sich gern in unmittelbarer Umgebung seines Grabes beerdigen lassen. Auf diesem Friedhof kann man außerdem allerlei kreative Grabsteine entdecken.

Karl Marx und Douglas Adams

Solange wir auf dem Friedhof waren, hatten wir gutes Wetter, aber auf dem Weg zu unserem nächsten Ausflugsziel, dem Parliament Hill in Hampstead Heath, fing es leider an zu regnen. Belohnt wurden wir mit einem herrlich vernieselten Blick über London. 🙂 Zu guter Letzt haben wir unsere beiden Londoner noch zu einem kurzen Shoppingtrip überredet, weil ich hier in Coventry bisher einfach keine vernünftigen Schuhe gefunden habe. (Es gibt hier scheinbar nur Omaschuhe, High Heels, Ballerinas oder Boots.)

Für den nächsten Tag hatten wir einen Ausflug zum „Secret Nuclear Bunker“ geplant. Bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen sind wir mit dem Zug stadtauswärts gefahren. Der Bunker sieht aus wie ein normales Haus, aber unterirdisch ist es ein Bunker. Man nimmt sich am Eingang einen übergroßen Telefonhörer (das ist Pflicht!) und kann dann an den dort vorhanden Stationen die passende Beschreibung aufrufen. Leider ist das nichts für Leute, die kein Englisch verstehen, denn die Audiotour gibt es nur in Englisch. Wir fanden den Bunker und seine Geschichte alle sehr spannend. Dort wurden auch Fernsehauschnitte gezeigt, die damals gesendet wurden. In diesen Beiträgen wurde erklärt, was man im Falle eines Atomangriffes tun soll, wie die Warnsignale klingen und was sie bedeuten. Die Angst vor einem Angriff muss groß gewesen sein.

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Besonders interessant fand ich all die alten Geräte, den Operationssaal und die sogenannten „Hot Beds“. Die „Hot Beds“ wurden in drei Schichten beschlafen. Nach acht Stunden Schlaf, hat man sein Bett verlassen und es noch warm dem nächsten Schläfer überlassen. So haben die dort Betten gespart, denn dafür war im Bunker einfach nicht genug Platz. Spannend fand ich auch die „honesty boxes“, die dort benutzt werden, wenn irgendetwas zu bezahlen ist. Es gibt im Bunker nämlich kaum Personal und so zahlt man in diese Box ehrlicherweise (honest = ehrlich) den Betrag, der gewünscht wird.

20140626-greensted-church

Nach dem Bunker wollten wir dann den Essex Way nach Epping wandern. Auf dem Weg dahin haben wir noch Halt an der Greensted Church gemacht. Es handelt sich dabei um die älteste noch erhaltene hölzerne Kirche der Welt und ist wirklich putzig. Sie ist relativ klein aber sehr gehegt und gepflegt. Der Essex Way war… sagen wir mal schwer zu finden. Die Beschilderung war so grottig, dass wir die meiste Zeit auf der Straße gelaufen sind, weil wir einfach nicht mehr weiterwussten. Es wurde ein Gewaltmarsch. Ich hatte Hüfte und neue Schuhe und Michael hatte Knie. Aber wir sind tatsächlich in Epping angekommen und ich habe das erste Mal seit Wochen richtig gut geschlafen.

Ein Boiler in London

Ein Gedanke zu „Ein Boiler in London

  1. Danke für den tollen Bericht. Sehr interessant. Der Bunker hört sich echt interessant an. Schön zu lesen, dass es Euch gut geht. Ein schönes Pfingstwochenende, obwohl ihr ja den Montag nicht frei habt 🙁 liebe Grüße aus Berlin.

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