The Karnickel has landed

[Mych] Abfahrt: 17:22 Uhr CEST. Ankunft: 11:02 BST. Karnickelstatus: hungrig und müde. Aber lebt.

Karnickel angekommen

Der alte Hase hat uns kurz vor Ankunft in Coventry — buchstäblich auf den letzten paar Meilen — nochmal einen ordentlichen Schrecken eingejagt: Nachdem er praktisch die ganze 19-stündige Fahrt über rumgewurschtelt und an seiner Decke rumgezuppelt hatte, statt sich mal hinzulegen oder wenigstens was zu fressen, konnten wir durch die engen Schlitze seiner Transportbox nur noch sehen, wie er regungslos in der Ecke lag.

Aber das war zum Glück nur Erschöpfung. Und, wahrscheinlich, Hunger. Sogar von dem frisch gepflückten Löwenzahn aus unserem Vorgarten wollte er nichts wissen, solange er noch in seiner Box saß. Aber als Judith erst seine neue alte Wohnung aufgestellt hatte, sprang er sofort rein und hatte binnen Minuten das ganze Grünzeug aufgemampft:

Karnickel bezieht neue alte Wohnung

Und danach fiel er erstmal einfach in seinem Bettklo um:

Karnickel plumpsDas ist ein gutes Zeichen — sozusagen die ultimative Anti-Fluchthaltung. (Jetzt gerade mümmelt er wieder.)

Beobachtungen von unserer langen Reise:

  • Es ist offensichtlich ein aufwändiger und teurer Prozess, Benzin in die Niederlande einzuführen: Anders kann ich mir nicht erklären, dass der Liter knapp jenseits der Grenze gut 25 Eurocent teurer ist als in Deutschland.
  • Die Holländer machen bessere Autobahnen als die Belgier. Korrektur: Jeder macht bessere Autobahnen als die Belgier.
  • Aber dafür macht niemand so viel Tamtam um Autobahnbaustellen wie die Leute in Belgien. Erste Vorankündigung ungefähr 16 Kilometer vor der Baustelle; Tempolimit auf ungefähr Schritttempo gedrosselt; und nach zweihundert Metern ist der Spuk vorbei.
  • Es gibt unglaublich hohe Lastwagen in England: Die haben ungefähr das Querschnittsprofil von zwei regulären deutschen Lastern aufeinander. Keine Ahnung, warum ich sowas in Kontinentaleuropa noch nie gesehen habe. Vielleicht passen die einfach alle nicht durch den Eurotunnel?
  • Nichts, aber einfach gar nichts auf dieser Reise ist „bald“. Als ich auf der letzten Strecke quer durch England sowas sage wie „die nächste Routenanweisung ist dann endlich die Abfahrt vom Motorway“ (so in etwa 80 Kilometern), guckt Judith sich schon suchend nach dem Schild um.
  • Links fahren ist halb so wild. Allerdings hätten wir beim Beladen des Autos darauf achten sollen, dass ich einen unverstellten Schulterblick durchs rechte Rückfenster habe, denn nur mit meinem aus unerfindlichen Design-Gründen verkümmerten rechten Seat-Ibiza-Seitenspiegel habe ich offensichtlich einen nennenswerten toten Winkel. Aber Judith macht sich gut als Ersatzseitenspiegel bzw. Deputy-Schulterblickerin.
  • Es gibt „Berge“ in England. Damit man sie bemerkt, fahren da dann alle Lastwagen ganz langsam (steht auch auf Schildern am Rand: „slow lorries„), und die Autofahrer sind mittendrin in der Prozession.
  • Stadtverkehr mit Navi in Coventry: nein. Zum Glück erkannte Judith in dem Moment, als ich schon mit wilden Augen zum dritten Mal in irgendeinem Kreisverkehr falsch abfuhr, wo wir waren, und konnte mich nach Hause franzen. Unser netter alter Herr Nachbar zur Linken parkte nicht nur sein Auto um, damit wir direkt vor unserem Haus parken konnten, sondern bot sogar an, uns beim Schleppen zu helfen (aber das konnten wir natürlich nicht annehmen).

Was man nachts um halb vier am Eurotunnel-Terminal in Calais so tun kann:

Geocaching (mein Log, Judiths Log). Im Hintergrund ein Hintern ein Monument der Kunst.

Geocaching am Eurotunnel-Terminal Calais

Und zu guter Letzt: die Queen mit ihrem Corgi.

Die Queen und ihr Corgy Wie sagte einer meiner Ex-Kollegen so schön? „Nach müde kommt blöd.“

The Karnickel has landed

Weg

[Mych] Alles ist weg …

… mein Sperrmüll. Freunde haben mir am Sonntag Abend geholfen, die Reste meines PAX, die für unser neues Haus leider spiegelsymmetrisch verkehrte GALANT-Tischplatte und meine alte Waschmaschine auf die Straße zu stellen. (Letztere war übrigens schon nicht mehr da, als wir vom gemeinsamen Abendessen zurückkamen.)

… der Inhalt meiner Wohnung. Gestern kamen zwei Engländer mit einem großen blauen Lastwagen und haben meine gut sieben Kubikmeter an Kisten und Möbelteilen eingeladen.

Schon bei der Besichtigung holte der Chef der beiden einen dicken Stapel Formularblätter (mit doppeltem Durchschlag) hervor und merkte leise seufzend an, dass er von DB Schenker deutlich mehr „paperwork“ bekommen hätte, als er jemals in England ausfüllen müsse. Und mindestens drei der Formulare drehten sich um verschiedene Varianten der Frage, welche Dinge vor und/oder nach dem Umzug in welchem Maße beschädigt waren (oder wurden).

Ich hätte meinen Umzug vorgestern beinahe noch unwillentlich abgesagt.

Die Abholung hatte ich schon letzte Woche mit DB Schenker auf Dienstag, 8 Uhr, terminiert. Am Montag Nachmittag klingelte mein Telefon, und der englischsprachige Anrufer teilte mir höflich mit, sie seien jetzt gerade mit ihrem Laster in Frankfurt angekommen, und wann sie denn vorbei kommen könnten, um meine Möbel zu holen. „Was soll denn das?“, grübelte ich leicht verwirrt, denn der Anrufer hatte einen Firmennamen deutlich ungleich DB Schenker genannt — vielleicht eines der englischen Umzugsunternehmen, bei denen ich angefragt hatte und sich bis jetzt nicht bei mir gemeldet hatten. Das wäre zwar eine seltsame Geschäftspraktik, aber vielleicht ticken ja manche Umzugsunternehmen so.

Also sagte ich sowas wie „Tut mir Leid, ich habe den Auftrag mittlerweile einer anderen Firma gegeben“, was wiederum bei meinem Gesprächspartner für höfliche Verwirrung sorgte, bis ich endlich mal „DB Schenker“ („dii-bii shenkrr“) erwähnte und daraufhin klar wurde, dass ich gerade mit dem Subunternehmer sprach, dem DB Schenker den Auftrag weitergegeben hatte. (Eigentlich sogar einem Subunternehmer des Subunternehmers, Eurovan, den DB Schenker mir dann auf meine Nachfrage hin bestätigte. Das hätten die mir allerdings ruhig mal von selbst mitteilen können — ich will ja nicht mein komplettes Hab und Gut in irgendeinen beliebigen Laster laden, der bei mir auftaucht.)

… mein „Dinge, die Michael nicht nach England umziehen will“-Tisch. Der stand vor meinem Büro und nahm die Dinge auf, die subjektiv in den Bereich zwischen „zu schade für den Müll“ und „nicht wertvoll genug zum Mitnehmen“ fielen. Zuletzt lag da noch drauf:

  • eine Senseo-Kaffeemaschine, die ich schon vor Jahren für meine Zwecke durch eine Nespresso-Maschine ersetzt hatte. Die hat im letzten Moment noch einen Abnehmer in einem meiner Kollegen gefunden, der sie in den Proberaum seiner Band stellen will.
  • eine Binäruhr (mit US-Netzteil). Um derer hat sich ein anderer Kollege erbarmt, der sie in seine private Informatiker-Museumsecke stellen will, wo sie dann in Ruhe vor sich hin blinken kann.
  • ein paar Musik-CDs: Kylie Minogue, Vanessa Amorosi (wer?) und die All Saints. Zu denen wollte sich niemand bekennen, also habe ich sie dem Restmüll zugetan.
  • ein paar Video-DVDs mit obskuren, nicht sehr bemerkenswerten Filmen. Die teilen sich jetzt den Platz mit den CDs.

Der Tisch war ein großer Erfolg — ich habe mich über jedes Ding gefreut, das noch für irgendwen nützlich ist und daher nicht (unmittelbar) auf dem Müll landen muss.

… ich. Zumindest klebt seit heute Morgen auf meinem Personalausweis an der Stelle, wo meine alte Adresse in Frankfurt stand, jetzt ein offizieller Aufkleber mit der Aufschrift „kein Wohnsitz im Innland“ [sic], samt offiziellem Tippfehler.

Die Wohnsitzabmeldung an sich wird allerdings erst zum Ende des Monats aktiv — das wird die Dame vom Amt sich „zur Wiedervorlage“ einstellen, damit sie es dann am letzten Tag des Monats ins System eintragen kann. Aber ich habe meine (korrekt datierte) Abmeldebescheinigung, die ich jetzt der Organisation-die-früher-GEZ-hieß vorlegen kann, damit die mir glauben, dass ich nicht heimlich ARD gucke, und vor allem Vodafone zufaxen kann, damit die mir (hoffentlich) kulanterweise eine Ausgleichszahlung für meine Internet-und-Telefon-Restvertragslaufzeit erlassen.

Weg

Jetzt geht’s los!

[Maus] Ich bin gerade in meinem Büro. Am Sonntag! Was soll ich hier auch sonst tun? Allein die Stadt erkunden ist nicht wirklich lustig. Heute Morgen habe ich den Fußboden in der Küche geschrubbt und na ja, meine neue PutzLEIDENschaft ausgeübt. Ich musste leider feststellen, dass die niegelnageneue Küche bei genauem Hinsehen auch überall kleine Farbspritzer hat. Da habe ich wahrscheinlich etwas typisch Englisches entdeckt, nämlich die fehlende Akribie, mit der ein deutscher Handwerker gearbeitet hätte. Mir sind auch noch andere Kleinigkeiten im Haus aufgefallen, die ich aber einfach ignorieren werde. Schließlich bin ich jetzt Engländerin und sollte mir ein wenig mehr Gelassenheit zulegen.

Gelassenheit ist auch das richtige Stichwort zum Thema Busse. Seit ich mich darauf eingestellt habe, dass die Busse fahren wie sie wollen, bin ich viel entspannter. Niemand erwartet von mir, dass ich pünktlich bin und so gewöhne ich mir so langsam den englischen Trödelgang an. Den gibt es übrigens nicht in London, da rennen alle. Das ist vielleicht so ein Großstadt-Ding, denn aus Berlin kenne ich das ja auch nicht anders.

Na jedenfalls, meine Wochenenden sind ziemlich ereignisarm und so verbringe ich einen Teil meines Sonntags im Labor. Ich mach‘ da nichts Anstrengendes, nur ein bisschen transformieren und Über-Nacht-Kulturen ansetzen. Die kommende Woche ist ja recht kurz und damit ich noch was reißen kann, arbeite ich heute eben ein wenig. So schlimm ist das auch nicht, denn so schön ruhig, wie am Wochenende ist es im Labor so gut wie nie.

In einer Woche ist Ostern und Michael und ich werden in Berlin sein. Am Samstag müssen wir meine Küche einlagern und Dienstag wird mein Zeug abgeholt. Jetzt geht es richtig los. Michael wohnt jetzt in einer Kistenburg und ich campe in meinem Schlafzimmer. Zum Glück ist das alles bald überstanden. Der ganze Stress mit dem Organisieren von diversen Dingen in Deutschland und England hat uns beide sehr viel Nerven gekostet. Wir müssen dann noch etwa eine Woche warten, bis unsere Möbel ankommen. Michael darf also mit mir zusammen campen. Das erste Maiwochenende wird dann nochmal ein Kraftakt, weil sämtliche Möbel aufgebaut werden müssen, aber danach wohnen wir endlich nach fast viereinhalb Jahren Fernbeziehung unter einem Dach. Ich hätte mir nie träumen lassen, dass dieses Dach in England steht, aber ich freue mich sehr darüber.

Der Garten sieht immer noch chaotisch aus. Unsere beiden Landladies hatten den Zaun angefangen zu streichen und müssen noch ein wenig Müll abtransportieren. Da ich jetzt aber schon dort wohne, wollen sie nicht weitermachen. Sie befürchten wohl, mich zu stören. Mir wäre es egal, aber ich finde es sehr sympathisch, dass sie darauf Rücksicht nehmen. Sie wollen den Rest erledigen, wenn ich nach Berlin fliege. Na von mir aus.

Jetzt geht’s los!

Fun Fact #6

[Mych] Offensichtlich ist “Conventry” [sic] eine sehr beliebte Falschschreibung unter Deutschen: Erst hat’s DB Schenker so aus meinen E-Mails falsch übernommen (bevor sie einfach “Umzug von Frankfurt nach Buschbeck” in ihre E-Mail-Betreffs an mich geschrieben haben), und jetzt auch noch die Techniker Krankenkasse in ihrem Vordruck E106. Wenigstens stimmt die Postleitzahl.

Judith spekuliert, dass die da einen Zusammenhang mit einem Konvent sehen.

(alle Fun Facts)

Fun Fact #6

Unser Haus

[Maus] Ich nutze mal die Putzpause, um von unserem neuen Haus zu berichten. Mein Einzug liegt ja nun schon ein paar Tage zurück und es wird Zeit, dass ich mich mal wieder zu Wort melde.

Eigentlich hatte ich meinen letzten Vermieter gebeten bis abends in meiner Bude bleiben zu können, denn am 1. April hatte meine neue Chefin ein Symposium an der Uni organisiert, bei dem wir natürlich mit aushelfen sollten. Das bedeutete um 8:45 Uhr bei ihr im Büro zu erscheinen, um als Tragehilfe auszuhelfen. Da ich aber morgens aus meiner Bude raus musste, hieß es auch, rechtzeitig aufzustehen, also 6:30 Uhr. In aller Eile habe ich meinen restlichen Kram zusammengepackt und meine zwei Koffer und 5 Taschen, sowie einen Rucksack rüber zu meinem Vermieter gebracht. Unglaublich, was ich in nur zwei Monaten alles rangeschafft habe. Den Bus den ich erwischen wollte, habe ich nicht mehr bekommen. Blöderweise blieb mir damit nicht genug Zeit, noch vor Beginn des Ganzen meine Auftragsbestätigung für meinen Umzug auszudrucken, zu unterschreiben, einzuscannen und per Email wegzuschicken. Auch das musste unbedingt noch am selben Tag geschehen, sonst wäre mein Umzug am 22. April nicht mehr möglich gewesen. Aber ich schaffte es immerhin pünktlich zu meiner Chefin ins Büro.

Ich war dann den ganzen Tag damit beschäftigt, Leute zu begrüßen, Vorträge zu hören, Poster anzuschauen und mit den dazugehörigen Studenten zu sprechen. Obendrein haben wir drei Postdocs Getränke besorgt und Knabbereien bereitgestellt. Während einer Pause habe ich dann schnell noch die Auftragsbestätigung auf den Weg gebracht. Als das Symposium zu Ende war, war ich auch schon am Ende, musste aber noch zu meinem alten Haus, um dort auf meine neue Landlady zu warten.

Wir waren um 19 Uhr verabredet aber sie tauchte nicht auf. Kurz nach 19 Uhr bekam ich von ihr eine Nachricht, dass ihr Flieger aus Berlin spät dran war und sie mich gegen acht abholen käme. Glücklicherweise durfte ich bei meinen Vermietern warten. Nancy (die Hausherrin) zeigte mir ihre Kaninchen, die alle drei (!) im Garten herumhoppelten. Um ehrlich zu sein, sah ich zunächst nur die Zwei, die ich schon kannte. Bijous reicher (und kastrierter) Onkel lebt mit zwei Damen zusammen. Die eine ist die Anführerin und sagt den anderen beiden wo es lang geht. Sie hat das auch mal demonstriert an der zweiten Häsin, die holte Nancy nämlich hinter einer im Garten gelagerten Matratze hervor. Die Anführerin hat sie gleich mal ein wenig gejagt und vom saftigsten Grün vertrieben.

Irgendwann um halb 10 kam meine Landlady dann endlich. Wir luden meine zahlreichen Sachen in ihren sehr großen Volvo und fuhren zum Haus, in dem sich leider nicht viel getan hatte seit unserem letzten Besuch. Hektisch zeigten mir die beiden Schwestern noch die Geräte und wollten auch noch schnell einen Filter in die Dunstabzugshaube einbauen. In Ermangelung einer Anleitung schlug ich nach 10 Minuten Diskussion vor, das auf ein anderes Mal zu verschieben. Ich bekam die Schlüssel und wir fummelten eine Weile an den verschlossenen Fenstern herum. Die Schlüssel für die Fenster fanden sich an diesem Abend nicht mehr an. Irgendwann gegen halb zwölf war ich endlich allein in unserem neuen Haus und wollte nur noch schlafen.

Inzwischen habe ich mich mit meiner sehr puristischen Einrichtung arrangiert. Ich habe einen Kleiderschrank und eine Kommode, eine Luftmatratze und zwei Stühle. In der Küche ist ja alles außer Geschirr vorhanden. Meine beiden Landladies haben mir noch ein wenig Oma-Geschirr dagelassen. Im Badezimmer haben sie mir einen Handtuchhalter, ein kleines Metallregal, einen Klorollenhalter mit Klorollen und einen Mülleimer dagelassen. Ich habe mir dann bei IKEA noch einen Wäscheständer kaufen müssen, obwohl wir davon genug besitzen und zu allem Überfluß bringt Michael auch noch einen Wäschetrockner mit. 🙂

In Flur und Küche gibt es ein sehr hübsches Steinfliesenmosaik, was typisch ist für Großbritannien. Leider hat bei den Renovierungsarbeiten keiner darauf geachtet, die Fliesen vor Farbklecksern zu schützen. Ich habe also gestern und heute auch hier meinen neu erworbenen Putzzwang ausgelebt und Fliesen geschrubbt. Der Flur sieht jetzt schon ganz hübsch aus. Die draufgeschmierte Lackfarbe muss ich noch irgendwie entfernen aber der IST-Zustand ist akzeptabel.

Gestern wollte ich dann auch zum ersten Mal kochen. Ich schnibbelte also auf meinem neuen IKEA Holzbrett meine Zwiebeln und Pilze klein und wollte dann den Gasherd anschalten. Laut Anleitung drückt man dafür den Knopf rein und dreht ihn auf höchste Flamme. Als ich das tat, hörte ich lediglich das Gas ausströmen. Keine Zündung. Ich grübelte eine Weile, beschloss dann aber doch nach einer Anleitung zu suchen. Die hatte man mir leider nicht dagelassen, also musste ich im Internet suchen. Da stand genau das, was ich getan hatte. Mmh. Ich grübelte, ich las. Da steht was von elektrischer Zündung. Muss ich bei diesem Ding etwa erst noch den Strom einschalten? Ich suchte also nach einem Schalter. Dieser musste sich ja irgendwo in der Küche befinden. Nach gefühlten zwei Stunden (es waren wohl eher 30 Minuten) fand ich im Schrank einen Schalter, den ich noch nicht probiert hatte. Den hatte ich gefunden, weil ich mit meiner Taschenlampe dem Kabel vom Herd gefolgt war. Meine feingeschnittenen Schalotten waren schon halb vertrocknet als ich endlich mit dem Kochen loslegen konnte. Diese Schalter hier sind mir ein Rätsel.

Unser Haus

Wohnung.zip

[Mych] Mein PAX ist ein Klamottengrab.

Bis Judith und ich ihn letztes Wochenende mit vereinten Kräften abgebaut haben, nahm den größten Teil der Westwand meiner Ein-Zimmer-Wohnung einer von diesen großen PAX-Kleiderschränken von IKEA ein — zwei Meter breit, bis knapp unter die Decke, und 60 Zentimeter tief.

Mir war schon immer klar gewesen, dass in den hinteren zwei Dritteln meines PAX alle möglichen verborgenen Schätze schlummern müssten. Ich habe Judith gefragt, wie sie mit den unzugänglichen Tiefen bei ihrem eigenen PAX umgegangen ist, und sie lagert in der hinteren Hälfte halt immer ihre nicht zur aktuellen Saison passenden Klamotten; aber wer mich kennt, weiß, dass ich im Sommer Jeans und T-Shirt trage und im Winter vielleicht noch einen Pulli drüber.

Das Ausräumen meines Kleiderschranks hatte daher etwas Archäologisches an sich: Je tiefer ich vordrang, desto antiker wurden die Fundstücke. Ganz hinten fand ich: Hemden, die ich zuletzt in meinem Abi-Jahr getragen hatte; meine Leder-Bomberjacke, Modell „Tom Cruise“; eine ganze Reihe von Hosen mit einer Handbreite Luft um die Taille (heh!); und eine Riesenmenge Schlabberpullis und schlecht geschnittener T-Shirts, die ich bevorzugt getragen hatte, als ich noch deutlich pummeliger war.

Am Ende hatte ich ein gutes Dutzend 30-Liter-Müllsäcke voller alter Klamotten, die ich beim besten Willen auch nicht als Souvenirs aufbewahren wollte. Der Altkleidercontainer vom Roten Kreuz in Seckbach hat sich gefreut.

Nur nicht über die Bomberjacke. Denn für besonders gut erhaltene Fundstücke, die ich loswerden wollte, habe ich vor mein Büro einen „Dinge, die Michael nicht nach England umziehen will“-Tisch aufgestellt, um diese Dinge einem neuen freundlichen Zuhause zuzuführen:

Dinge, die Michael nicht nach England umziehen will

Den Auftakt machte ungefähr ein Drittel meiner vor allem für mich erstaunlich großen Sammlung von DVDs (und ein paar Musik-CDs), die ich in den ersten Tagen meiner Packerei aus praktisch allen Fächern, Nischen und Schubladen barg, die meine Wohnung so zu bieten hatte.

Überraschend viel geht weg, aber einige Dinge sind offensichtlich Ladenhüter: Niemand will sich zum „Wixxer“ bekennen, und Kylie Minogue teilt sich seit Wochen die hintere Ecke des Tischs mit den All Saints. Von der Bomberjacke dachte ich auch eine ganze Weile, dass sie übrig bliebe, aber dann war sie eines Morgens doch weg. Vielleicht finde ich ja noch raus, wo sie gelandet ist …

Schnellvorlauf bis ein oder zwei Wochen später: Grabungsarbeiten in meinem Kellerabteil.

Dessen Inhalt bestand, wie ich jetzt weiß (und vorher vermutete), zu einem großen Teil aus Elektroschrott aus den Zeitaltern, als man noch Desktop-Computer hatte und ich den meinen regelmäßig mit neuen Komponenten aufgerüstet hatte. Irgendwann auch mal mit einer 3D-Grafikkarte, die eine Shutterbrille mitbrachte, die sich auch als modisches Accessoire für einen Shadowrunner gut machen würde:

Shutterbrille

Und meine erste Digitalkamera — mit zwei Megapixeln Auflösung, einem Batteriefach für vier Mignon-Zellen, optischem Sucher und einer „Compact Flash“-Speicherkarte, auf deren großzügigen 8 MB Speicherplatz man immerhin noch drei Fotos von meinem iPhone unterbringen könnte:

Kodak-Digicam

Die hatte ich mir damals gekauft, als ich noch zu meinen aktiven Jugendmedienzeiten im Bildungszentrum Nürnberg ein Wochenendseminar übers Medienmachen halten sollte und die progressive Idee hatte, Fotos nicht erst vom Film über den Scanner in den Computer bekommen zu wollen. Und: Sie funktioniert noch! — ich musste nur ein bisschen korrodiertes Metall von den Batteriekontakten abkratzen. Die hab ich natürlich behalten.

Und dann noch: Backups auf Daten-CDs. Erhebliche Mengenanteile davon (legal!) heruntergeladene Software-Setups und Spiele-Demos aus Zeiten, als ein 20-Megabyte-Download noch eine erhebliche Zeit- und Geldinvestition darstellte. (Als ich in München einzog, hatte ich immerhin schon ISDN: Damit konnte man fast ein halbes Megabyte pro Minute runterladen, während der Gebührenzähler leise vor sich hin tickte.)

Ein paar Sachen habe ich (digital) aufgehoben — nicht zuletzt mein allererstes kommerzielles Software-Projekt, entstanden circa 1997 am blauen Highscreen-Colani-Laptop meiner Mutter in vielen Stunden des Zivi-Sonntagsdiensts in der Pforte der (mittlerweile nicht mehr existierenden) Frauenklinik Rheinfelden: der „ArthroAssistent“. Sogar die alten 3½-Zoll-Disketten-Labels habe ich gefunden:

20140401-arthroassistent

Die übrigen, seit Jahren unbedruckten Labels habe ich jetzt mit Aufschriften wie „Sperrmüll!“ und „Bitte nicht belasten!“ bedruckt (mit meinem übrigens fast genauso alten, aber noch tadellos funktionierenden HP LaserJet 6P, der wohl verpackt auf seine nächsten fünfzehn Jahre Dienstzeit wartet) und beppe sie auf allerlei Dinge, die so gerade in meiner Wohnung herumstehen, denn mit 3½-Zoll-Disketten werde ich wahrscheinlich so bald nicht mehr hantieren.

Und zu guter Letzt noch dieses Fundstück von unter meiner Spüle: ein 1995er Trollinger/Lemberger-Cuvée:

20140401-wein

Nach fast zwanzig Jahren der, hrm, Reifung (davon zehn unter meiner Spüle) sollte das doch ein recht edles Tröpfchen geworden sein, nicht wahr?

… nee, leider nicht. Nachdem ich den bröseligen Korken aus dem Flaschenhals gepfriemelt hatte, kam aus der Flasche nur eine blasse, rötlich-orange Flüssigkeit, die geschmacklich nicht mehr viel zu bieten hatte. Nun ja. Immerhin weiß ich, dass Rotwein bei Judith und mir dieser Tage sicher keine Gelegenheit mehr bekommt, in unserer Obhut so alt zu werden.

Wohnung.zip

Was zuletzt geschah

[Mych] Unser Schweigen ist nur äußerlich.

Für Ostern sind unsere beiden Umzüge geplant — meiner kurz davor, Judiths kurz danach –, und die organisatorischen Klimmzüge, die wir dafür machen müssen, haben am Abend nicht viel mehr Energie übrig gelassen als gerade genug für ein leises „Bleh“.

Was, unter anderem, in den letzten drei Wochen geschehen ist:

  • Wir haben den Mietvertrag für das Haus unterzeichnet. Unsere beiden Landladys waren wieder sehr zuvorkommend mit Tee und Gebäck, und das Wetter war fantastisch. Wir haben danach noch zu viert draußen auf der Terrasse in der Sonne gesessen und über Gott und die Welt gequatscht.
  • Wir haben uns ein gemeinsames Haushaltskonto (bei Lloyds) zugelegt, und Judith ist mit ihrem Privatkonto von Santander zu Lloyds umgezogen. Beides dauerte in Summe ungefähr eine Stunde, und auch von ihr wollten sie nicht mehr als ihren deutschen Personalausweis sehen. (Kein Adressnachweis, kein Pass, kein Gehaltsnachweis, nur den Perso.) Zufälligerweise waren wir an den gleichen sympathischen Berater geraten wie vor ein paar Wochen, als ich mein Konto dort eröffnet hatte. Im Online-Banking sehen wir beide jetzt jeweils unser Privat- und unser Haushaltskonto, und Geldüberweisungen vom einen zum anderen sind buchstäblich instantan. (Und Überweisungen zwischen verschiedenen Banken dauern höchstens zwei Stunden. Davon könnte sich das deutsche Bankwesen echt mal ’ne Scheibe abschneiden.)
  • Als Übergangslösung fürs im neuen Haus noch fehlende Internet haben wir uns bei O₂ einen „4G Mobile Broadband“-USB-Stick gekauft, den’s an diesem Wochenende zufälligerweise zum halben Preis gab. Das Ding stellt ein lokales WLAN zur Verfügung und ist schneller als mein alter DSL-Zugang in Frankfurt. (Und der nächste O₂-Funkmast ist zwei Straßenecken von unserem Haus entfernt.)
  • Unsere Logistikpläne für den finalen Umzug über Ostern haben wir zweimal umwerfen müssen, denn niemand will Judiths Hasen transportieren: GermanWings (fliegt von Berlin) nimmt gleich gar keine Tiere mit; Lufthansa (fliegt nur von Frankfurt) würde den Hasen im Laderaum mitnehmen, aber dann müssten wir den alten Herrn für mehrere Stunden alleine lassen; und der EuroStar durch den Eurotunnel lässt auch keine Karnickel im Gepäck zu. Es sei denn, man nimmt es im eigenen Auto über Eurotunnel Le Shuttle durch den Tunnel mit. Also fahre ich zu Karfreitag mit meinem Seat Ibiza nach Berlin und wir alle zusammen dann kurz nach Ostern erst nach Calais, dann durch den Tunnel, und dann weiter bis nach Coventry.
  • Ich habe amüsante und kuriose Dinge beim Zusammenpacken meiner Wohnung gefunden. Aber dazu gibt’s einen separaten Beitrag.

Ein paar Bemerkungen zum Haus:

  • Das Haus ist sowieso toll gelegen. Wenn man hinten durch die Tür im Gartenzaun rausgeht, steht man auf einer Privatstraße, von der aus man durch ein verschlossenes Gatter (zu dem wir einen Schlüssel bekommen) nur noch eine Straßenüberquerung entfernt ist vom Lake View Park — einem tollen, etwas wilden Riesenrasengelände mit anderthalb Flüsschen, keinem See (der war wohl mal geplant, wurde aber nie gebaut), dafür aber kleinen wilden Unterholz- und Baumgrüppchen. Da legen wir einen T4-er Geocache hin.
  • Wir haben den Grundriss unserer fünf Zimmer in SketchUp aufgemalt und auf diese Weise herausgefunden, dass wir in diesen Zimmern insgesamt etwa 50 Quadratmeter an Wohnfläche haben (plus Flur, Küche, Bad, Terasse, Abstellkammer, Garten, und Gartenklo). Aber wir haben’s tatsächlich geschafft, alle von Judiths Möbeln und den größeren Teil von meinen sinnvoll (virtuell) unterzubringen.
  • Angeblich bekommt man bei unserer neuen Adresse Glasfaser-Internet mit einer Bandbreite, die meinen klapprigen DSL-Zugang in Frankfurt alt aussehen lässt.
  • Ein paar der schönen alten Holzmöbel, die im Haus standen, haben wir übernommen; und Judiths Frage, ob sie vielleicht den einen oder anderen altersbedingten Makel durch Abschleifen und Neulackieren reparieren dürfte, wurde bedenkenlos bejaht. Da sind die ersten paar handwerklichen Projekte ja schon vorbestimmt.
  • Wir wissen noch nicht so recht, wie man die gasbetriebenen Kamine in Wohn- und Esszimmer anfeuert. Es gibt eine Anleitung mit ungefähr zwanzig einfachen Schritten, die durchgeführt werden müssen. Die werden wir einfach mal systematisch durchprobieren. (Marys Ansatz per Intuition funktionierte jedenfalls nicht auf Anhieb.)
Was zuletzt geschah