Ich bin zu alt für so viel Party

[Maus] Als Michael noch in Frankfurt war, hat er über einen Freund zu Round Table Hanau Kontakt aufgenommen. Die Tabler sind junge Männer bis 40 Jahre, die sich gemeinsam für soziale Projekte engagieren und ganz nebenbei Kontakte zu vielen verschiedenen Leuten knüpfen. Diese Organisation kommt ursprünglich aus dem Vereinigten Königreich, ist aber inzwischen in  ganz Europa verbreitet. Innerhalb eines Landes werden in der Reihenfolge der Gründungen Nummern vergeben, und so kam es, dass der Round Table in Hanau die Nummer 74 bekam.

Vor einer Woche sind wir dann zu einem Treffen nach Warrington gefahren, bei dem sich die Round Tables mit der Nummer 74 aus Warrington, Hanau, Faxe und Lyngdal, sowie einige andere Tabler aus England mit der Nummer 174 getroffen haben. Ich hatte ja keine Ahnung, auf was ich mich da eingelassen hatte — aber um es mal vorwegzunehmen: Es war sehr lustig.

Am Donnerstag nach der Arbeit bin ich direkt zum Bahnhof gefahren, um dort Michael und unseren Koffer zu treffen. In einem völlig überfüllten Zug mit einem fehlenden Wagen sind wir also anderthalb Stunden nach Warrington gefahren und wurden von unserem Gastgeber, Neil, am Bahnhof abgeholt.

Alle Gäste waren bei Tablern untergebracht, und unsere Gastgeber waren ausgesprochen nett. Neil und Rachael haben ein großes und sehr hübsch eingerichtetes Haus und drei sehr wohlerzogene Kinder — zwei Mädchen und einen Jungen (der Jüngste), also praktisch wie bei mir. Außerdem war auch noch Christian aus Faxe bei Ihnen untergebracht. Gemeinsam sind wir zum Haus eines anderen Tablers gegangen, um dort gemeinsam zu Abend zu essen. Dort trafen wir auch auf den bereits erwähnten Freund aus Hanau. Es wurde ein feuchtfröhlicher Abend mit Mädchenwhiskey aus Dänemark und Bagpiper aus Indien (der war allerdings zum Abgewöhnen).

Nach einer kurzen Nacht sind wir um 9:30 Uhr zu einem Ausflug nach Liverpool aufgebrochen. Leider war nicht viel Gelegenheit, sich Liverpool anzuschauen, denn wir hatten ein straffes Programm.

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Das begann mit einem Besuch des Beatles-Museums, das wir nicht ganz bis zum Schluss erkunden konnten, denn es war im Anschluss ein Mittagessen in den Philharmonic Dining Rooms geplant. Es gab ganz traditionell Fish and Chips, was zwar nicht gerade mein Lieblingsessen ist, aber durchaus essbar war.

Kaum war das Essen verputzt, ging es weiter zur Kathedrale von Liverpool, die noch ziemlich jung ist, dafür aber umso beeindruckender. Erst 1904 war Grundsteinlegung und dann wurde in Etappen gebaut, bis im Jahre 1978 das Gebäude entgültig fertiggestellt war.

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Der Tag endete mit einer Party, die unter dem Motto „It’s magic“ stand. Viele waren passend zum Motto gekleidet und es gab einen kleinen Wettbewerb, bei dem jedes Land einen kleinen Sketch zum Thema aufführte. Es gab jede Menge toller Zaubertricks, die die Welt zuvor noch nie gesehen hatte — mein Favorit war der Bier-verschwinde-Trick. Nach jeder Menge lauter Musik und Alkohol kroch ich müde ins Bett, um nach sechseinhalb Stunden Schlaf wieder aufzustehen.

Michael und ich verbrachten den Vormittag getrennt. Ich war mit den Ladies auf Bootstour am Anderton Boat Lift mit anschließendem Afternoon Tea und Michael war, glaube ich, auf Sauftour mit Anzug. Genaueres zu Michaels Aktivitäten erfragt ihr am Besten bei Ihm. Jedenfalls hätten wir beide schon am Vormittag betrunken sein können. Ich konnte mich aber gerade noch so zurückhalten und Michael schien auch noch ziemlich nüchtern zu sein, als ich ihn am Nachmittag traf.

[Mych] Mein Vormittag begann mit einem launigen so genannten Business Meeting der Männer, das im altehrwürdigen Gerichtssaal in der Polizeistation von Warrington stattfand — komplett mit Roben und Perücken der drei Vorsitzenden. Kernpunkt waren die Berichte der anwesenden Tische über ihren Aktivitäten des vergangenen Jahrs (über das ganze Spektrum zwischen „sozial engagieren“ und „engagiert feiern“) — und die berührende Rede eines der ältesten Anwesenden, der vor einem halben Leben den ersten Tisch dieses erlauchten Kreises gegründet hatte und nun mit Zufriedenheit und Stolz auf das blicken konnte, was im Laufe der letzten vierzig Jahre daraus geworden war.

… nein, das stimmt eigentlich nicht. Mein Vormittag begann tatsächlich etwa eine Stunde zuvor im Red Lion Inn, wo mir mit einer List mein erstes Bier des Tages aufgenötigt wurde. („Wasser? Nein, das schenken die hier nicht aus.“) Und so ähnlich ging es bei und nach unserem Mittagessen weiter — wohlgemerkt alles auf Kosten unserer Gastgeber. Nicht etwa, dass es vor und bei unserem Gala-Dinner anders zugegangen wäre …

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Die Damen kamen dann etwas später am Nachmittag zu dem netten Restaurant am Kanal, in dem wir zu Mittag gegessen hatten.

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Unser Pub Crawl hatte uns Männer geografisch nicht allzu weit gebracht, also war es kein Problem, Judith zum Red Lion Inn zu lotsen, bei dem wir (erneut) gestrandet waren, bevor es dann zur Vorbereitung aufs große Gala-Dinner nach Hause ging.

[Maus] Die Bootstour war eigentlich nur deshalb spannend, weil wir mit einem Schiffshebewerk eine Stufe nach unten transportiert worden sind. Aber der Anderton Boat Lift ist im Vergleich zum Schiffshebewerk in Niederfinow winzig. Die verbauten Materialien des Anderton Boat Lift stammen zu einem großen Teil aus Deutschland. Na ja, das sagt wohl alles. 😉

Afternoon Tea

Unseren Afternoon Tea haben wir in einer Teestube eingenommen und neben einer riesigen Auswahl verschiedener Teesorten gab es eine Étagère mit leckeren Sandwiches, die prima den konsumierten Alkohol aufsaugten, und einer leckeren Kuchenauswahl. Das Highlight dieses Fressgelages waren aber ofenfrische Scones mit Marmelade und clotted cream. Auf dem Gelände, auf dem diese Teestube stand, gab es außerdem zwei Alpakas, zwei Esel, diverse Vögel und ein äußerst sympathisches Schwein. Ich hätte dort auch den ganzen Tag verbringen und mit dem Schwein spielen können.

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Viel Zeit zum Erholen blieb nicht, denn ein Galaabend stand an. Der Schlafmangel und das straffe Programm zollten ihren Tribut. Ich hing nach dem Abendessen total in den Seilen und hoffte nur noch, dass ich bald schlafen gehen kann. Der Sonntag war ein verlorener Tag, da wir beide völlig übermüdet waren. Aber schön war es trotzdem und ich freue mich schon auf das europäische jährliche Treffen der Round Tabler in Hanau nächstes Jahr.

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Ich bin zu alt für so viel Party

Ein Boiler in London

[Maus] Soooo. Hallo erstmal!

Lang ist’s her, dass wir aus Coventry berichtet haben aber das hatte seine Gründe. Wir haben in den vergangenen Wochen viel erlebt. Vor zwei Wochen haben wir einen Ausflug nach London gemacht. Es gab zwei Gründe für diesen Ausflug: 1. Meine Verwandtschaft in London besuchen und 2. Boiler und Senf, den uns die beiden Londoner zu Ostern ins Auto geschmuggelt hatten, abliefern.

Der Tag fing allerdings nicht so gut an. Es schüttete wie aus Eimern und wir sind mit Boiler und Senf im Regen zum Bahnhof gestiefelt. Als ob wir nicht schon nass genug gewesen wären, haben uns dann auch noch eine ganze Reihe Autofahrer eine unfreiwillige Seitendusche verpasst. Ich hatte noch Glück, weil Michael mein Schutzschild war. Klitschnass sind wir dann eine gute Stunde Zug gefahren und wurden London Euston abgeholt. Unsere beiden Londoner waren überrascht, dass wir mit Boiler und Senf angereist waren, aber unser Häuschen war einfach noch nicht aufgeräumt genug, dass wir darin viel mehr als unseren eigenen Kram hin- und herstapeln wollten. Und so kam es, dass wir einen Ausflug mit Boiler unternahmen.

Zunächst führte uns eine kurze Busfahrt zum Highgate Cemetery. Es lohnt sich wirklich, diesen Friedhof zu erkunden. Fans von Douglas Adams („Per Anhalter durch die Galaxis“) sollten mit ihrem Handtuch unbedingt mal sein Grab besuchen. Michael hatte keins dabei. Wie peinlich! Es überraschte mich aber, zu sehen, dass man hier sehr viel entspannter mit Gräbern umgeht als in Deutschland. Die zweite berühmte Persönlichkeit, der man einen Besuch abstatten sollte, ist Karl Marx, dessen Bewunderer sich gern in unmittelbarer Umgebung seines Grabes beerdigen lassen. Auf diesem Friedhof kann man außerdem allerlei kreative Grabsteine entdecken.

Karl Marx und Douglas Adams

Solange wir auf dem Friedhof waren, hatten wir gutes Wetter, aber auf dem Weg zu unserem nächsten Ausflugsziel, dem Parliament Hill in Hampstead Heath, fing es leider an zu regnen. Belohnt wurden wir mit einem herrlich vernieselten Blick über London. 🙂 Zu guter Letzt haben wir unsere beiden Londoner noch zu einem kurzen Shoppingtrip überredet, weil ich hier in Coventry bisher einfach keine vernünftigen Schuhe gefunden habe. (Es gibt hier scheinbar nur Omaschuhe, High Heels, Ballerinas oder Boots.)

Für den nächsten Tag hatten wir einen Ausflug zum „Secret Nuclear Bunker“ geplant. Bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen sind wir mit dem Zug stadtauswärts gefahren. Der Bunker sieht aus wie ein normales Haus, aber unterirdisch ist es ein Bunker. Man nimmt sich am Eingang einen übergroßen Telefonhörer (das ist Pflicht!) und kann dann an den dort vorhanden Stationen die passende Beschreibung aufrufen. Leider ist das nichts für Leute, die kein Englisch verstehen, denn die Audiotour gibt es nur in Englisch. Wir fanden den Bunker und seine Geschichte alle sehr spannend. Dort wurden auch Fernsehauschnitte gezeigt, die damals gesendet wurden. In diesen Beiträgen wurde erklärt, was man im Falle eines Atomangriffes tun soll, wie die Warnsignale klingen und was sie bedeuten. Die Angst vor einem Angriff muss groß gewesen sein.

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Besonders interessant fand ich all die alten Geräte, den Operationssaal und die sogenannten „Hot Beds“. Die „Hot Beds“ wurden in drei Schichten beschlafen. Nach acht Stunden Schlaf, hat man sein Bett verlassen und es noch warm dem nächsten Schläfer überlassen. So haben die dort Betten gespart, denn dafür war im Bunker einfach nicht genug Platz. Spannend fand ich auch die „honesty boxes“, die dort benutzt werden, wenn irgendetwas zu bezahlen ist. Es gibt im Bunker nämlich kaum Personal und so zahlt man in diese Box ehrlicherweise (honest = ehrlich) den Betrag, der gewünscht wird.

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Nach dem Bunker wollten wir dann den Essex Way nach Epping wandern. Auf dem Weg dahin haben wir noch Halt an der Greensted Church gemacht. Es handelt sich dabei um die älteste noch erhaltene hölzerne Kirche der Welt und ist wirklich putzig. Sie ist relativ klein aber sehr gehegt und gepflegt. Der Essex Way war… sagen wir mal schwer zu finden. Die Beschilderung war so grottig, dass wir die meiste Zeit auf der Straße gelaufen sind, weil wir einfach nicht mehr weiterwussten. Es wurde ein Gewaltmarsch. Ich hatte Hüfte und neue Schuhe und Michael hatte Knie. Aber wir sind tatsächlich in Epping angekommen und ich habe das erste Mal seit Wochen richtig gut geschlafen.

Ein Boiler in London

Alkoholschnelltest

[Mych] Der Engländer als solcher — zumindest jener, der ganz dem Klischee entspricht — hat sich ja über fast ein Jahrhundert der Sperrstundenregelung eine große Fertigkeit im effizienten Betrinken angeeignet: Wenn der Wirt so gegen 22:45 Uhr „Last orders please!“ rief, musste man panikartig noch die letzten Lagen Bier bestellen und sich bis 23 Uhr hinter die Binde gießen, damit man auf seine Kosten kam.

Ich weiß nicht, ob’s einen Zusammenhang zwischen diesen historischen Gegebenheiten und dem folgenden Formular gibt, das ich für meine Registrierung bei einer Arztpraxis hier in England ausfüllen muss, aber ganz aus der Luft gegriffen wird es sicher nicht sein:

NHS Fast Alcohol Screening Test

Das Ganze ist überschrieben mit „Fast Alcohol Screening Test“ (ungefähr: „Alkohol-Ausleseschnelltest“), und die Fragen sind folgende:

  • Frage 1: „Wie häufig haben Sie im letzten Jahr bei einer einzelnen Gelegenheit 6 Einheiten [alkoholischer Getränke] oder mehr getrunken, falls Sie weiblich sind, bzw. 8 oder mehr, falls Sie männlich sind?“ (Diese Menge entspricht für einen Mann knapp 2 Litern Bier oder 8 kleinen Gläsern Wein.)

Danach folgt der Hinweis: „Beantworten Sie die folgenden Fragen nur, wenn Ihre obige Antwort ’nie‘, ‚einmal im Monat‘ oder ’seltener als einmal im Monat‘ ist“.

Also … weiter für mich.

  • Frage 2: „Wie häufig waren Sie im letzten Jahr aufgrund Ihres Trinkens unfähig, zu tun, was von Ihnen normalerweise erwartet wird?“
  • Frage 3: „Wie häufig konnten Sie sich im letzten Jahr nicht daran erinnern, was in der vorherigen Nacht geschehen war, weil Sie getrunken hatten?“
  • Frage 4: „Hat ein Verwandter oder Freund, Arzt oder Gesundheitsarbeiter Bedenken in Bezug auf Ihre Trinkgewohnheiten ausgedrückt oder empfohlen, dass Sie weniger trinken sollten?“

Tja. Also. Hoffentlich werde ich nicht wegen des Pauschalverdachts auf Selbstverleugnung eingewiesen, weil ich auf die letzten drei Fragen (wahrheitsgemäß) mit „nie“, „nie“ und „nein“ geantwortet habe.

(Ach ja: Die „1“ statt einer „0“ bei der allerersten Frage ist Paddy’s Day geschuldet. Und vielleicht auch Markus‘ Geburtstagsparty. Hehe.)

Alkoholschnelltest

Live by the Internet, die by the Internet

[Mych] Judith und ich kamen ganz schön ins Grübeln, als wir hinter dem Vorhang im Wohnzimmer endlich unseren Telefonhauptanschluss gefunden hatten:

Phone Master Socket

Da sollte im Laufe des Tages Breitband-Internet mit 80 Mbit/s durchgejagt werden, oder so. („GPO“ steht für „General Post Office„. Definitiv ein Telefonanschluss, denn Post kommt da nicht raus.)

Das Loch führt direkt nach außen, und das zweiadrige Kabel dann an der Außenwand nach oben, bis es frei schwingend zum Telefonmast auf der anderen Straßenseite geht und sich dort mit ähnlichen Kabeln der anderen nahe liegenden Häuser vereinigt.

BT hatte uns uns den letzten Tagen auf allen Kommunikationskanälen mit freundlichen Erinnerungen behämmert, dass der nette BT-Installationsmensch am Montag kommen würde: per E-Mail (in doppelter Ausfertigung), per SMS, per Anruf, nochmal per E-Mail (wieder mit Durchschlag) und dann nochmal per SMS. Nicht, dass wir den Termin nicht etwa selbst ausgewählt hätten. Ich frage mich jetzt ernsthaft, wie häufig es wohl in der Praxis vorkommt, dass die BT-Leute vor verschlossenen Wohnungstüren stehen, wenn sie zum vereinbarten Termin auftauchen.

Der BT-Mann kam pünktlich am Morgen, ersetzte das antike Kabel erstmal durch ein deutlich mehr Vertrauen erweckendes schwarzes Netzwerkkabel und wies und netterweise nebenher noch auf unser Regenabflussrohr hin, das zurzeit ein bisschen bedeutungslos und traurig neben dem Ausflussstutzen der Regenrinne zur Seite hängt. (Das müssen wir auch mal reparieren, aber nicht heute.)

BT-Breitband-Internet-Installation

Dann kam ein neues Loch neben einer der Steckdosen im Wohnzimmer durch die Außenwand nach draußen. Und so schnell und leise, wie der BT-Mann mit seinem Akkubohrer durch die fette Wand kam, grüble ich jetzt gerade, aus was die wohl besteht. Pappmaché? Lose aufgeschichteter Sand? Fünfhundert Lagen antiker Tapete?

Wie dem auch sei: Jetzt haben wir im Wohnzimmer eine (erstaunlich voluminöse) nagelneue Anschlussdose von openreach, dem Letzte-Meile-Anbieter von BT, samt angeschlossenem BT-Home-Hub, aus dem das Internet rauskommt.

Die tatsächliche Bandbreite werde sich im Laufe der nächsten Tage noch einpendeln, sagte mir der BT-Mann (offenbar führt BT da jetzt erstmal immer wieder mal Leitungstests von der Vermittlungsstelle zu dem kleinen Internet-Kästchen in unserem Wohnzimmer durch, um die tatsächliche Bandbreite auf das leitungstechnische Optimum hochzudrehen), aber schon jetzt bekomme ich hier in meinem Arbeitszimmer per WLAN ein Mehrfaches der Internet-Geschwindigkeit, die ich in meiner Wohnung in Frankfurt per ADSL bekommen hatte. Und vor allem gehen die Daten in der gleichen hohen Geschwindigkeit, in der sie reinkommen, auch raus — schon jetzt mit gut 13 Mbit/s (von meinem WLAN-angebundenen Notebook aus). Da werden die Kollegen im Hangar bei Videokonferenzen mit Sicherheit jedes Dreitagebarthaar einzeln sehen können …

Mal sehen, auf was für eine fantastische Bandbreite sich die Leitung noch einpendeln wird, und wieviel davon über das WLAN durchkommt. Der Hub — und offensichtlich auch mein Notebook — können beide 802.11n, das angeblich bis zu 150 Mbit/s funken kann. Und mein WLAN-Empfang ist trotz mindestens einer Wand und einer Zimmerdecke hier oben hervorragend … aber dann wiederum ist die Bausubstanz aus Massivtapete wahrscheinlich eh transparent im Gigahertz-Funkbereich.

Daniel aus dem IRC hatte noch die Idee, es eventuell mit PowerLAN-Adaptern über das hausinterne Stromnetz zu versuchen. Wir haben tatsächlich sogar noch zwei von den Dingern, natürlich mit deutschem Stromanschluss, aber vielleicht funktionieren die ja auch mit Steckeradaptern. Der einzige Nachteil, meinte Nico daraufhin, sei, dass PowerLAN „gerüchteweise die komplette Wohnung in einen Mikrowellensender verwandelt“ — aber „um das mit der Strahlung hab ich schon lang aufgegeben, mir Sorgen zu machen“.

Live by the Internet — die by the Internet. Vielleicht kriege ich ja auf diese Weise eine hübsche Bräune an meinem Heimarbeitsplatz.

Live by the Internet, die by the Internet

The Karnickel has landed

[Mych] Abfahrt: 17:22 Uhr CEST. Ankunft: 11:02 BST. Karnickelstatus: hungrig und müde. Aber lebt.

Karnickel angekommen

Der alte Hase hat uns kurz vor Ankunft in Coventry — buchstäblich auf den letzten paar Meilen — nochmal einen ordentlichen Schrecken eingejagt: Nachdem er praktisch die ganze 19-stündige Fahrt über rumgewurschtelt und an seiner Decke rumgezuppelt hatte, statt sich mal hinzulegen oder wenigstens was zu fressen, konnten wir durch die engen Schlitze seiner Transportbox nur noch sehen, wie er regungslos in der Ecke lag.

Aber das war zum Glück nur Erschöpfung. Und, wahrscheinlich, Hunger. Sogar von dem frisch gepflückten Löwenzahn aus unserem Vorgarten wollte er nichts wissen, solange er noch in seiner Box saß. Aber als Judith erst seine neue alte Wohnung aufgestellt hatte, sprang er sofort rein und hatte binnen Minuten das ganze Grünzeug aufgemampft:

Karnickel bezieht neue alte Wohnung

Und danach fiel er erstmal einfach in seinem Bettklo um:

Karnickel plumpsDas ist ein gutes Zeichen — sozusagen die ultimative Anti-Fluchthaltung. (Jetzt gerade mümmelt er wieder.)

Beobachtungen von unserer langen Reise:

  • Es ist offensichtlich ein aufwändiger und teurer Prozess, Benzin in die Niederlande einzuführen: Anders kann ich mir nicht erklären, dass der Liter knapp jenseits der Grenze gut 25 Eurocent teurer ist als in Deutschland.
  • Die Holländer machen bessere Autobahnen als die Belgier. Korrektur: Jeder macht bessere Autobahnen als die Belgier.
  • Aber dafür macht niemand so viel Tamtam um Autobahnbaustellen wie die Leute in Belgien. Erste Vorankündigung ungefähr 16 Kilometer vor der Baustelle; Tempolimit auf ungefähr Schritttempo gedrosselt; und nach zweihundert Metern ist der Spuk vorbei.
  • Es gibt unglaublich hohe Lastwagen in England: Die haben ungefähr das Querschnittsprofil von zwei regulären deutschen Lastern aufeinander. Keine Ahnung, warum ich sowas in Kontinentaleuropa noch nie gesehen habe. Vielleicht passen die einfach alle nicht durch den Eurotunnel?
  • Nichts, aber einfach gar nichts auf dieser Reise ist „bald“. Als ich auf der letzten Strecke quer durch England sowas sage wie „die nächste Routenanweisung ist dann endlich die Abfahrt vom Motorway“ (so in etwa 80 Kilometern), guckt Judith sich schon suchend nach dem Schild um.
  • Links fahren ist halb so wild. Allerdings hätten wir beim Beladen des Autos darauf achten sollen, dass ich einen unverstellten Schulterblick durchs rechte Rückfenster habe, denn nur mit meinem aus unerfindlichen Design-Gründen verkümmerten rechten Seat-Ibiza-Seitenspiegel habe ich offensichtlich einen nennenswerten toten Winkel. Aber Judith macht sich gut als Ersatzseitenspiegel bzw. Deputy-Schulterblickerin.
  • Es gibt „Berge“ in England. Damit man sie bemerkt, fahren da dann alle Lastwagen ganz langsam (steht auch auf Schildern am Rand: „slow lorries„), und die Autofahrer sind mittendrin in der Prozession.
  • Stadtverkehr mit Navi in Coventry: nein. Zum Glück erkannte Judith in dem Moment, als ich schon mit wilden Augen zum dritten Mal in irgendeinem Kreisverkehr falsch abfuhr, wo wir waren, und konnte mich nach Hause franzen. Unser netter alter Herr Nachbar zur Linken parkte nicht nur sein Auto um, damit wir direkt vor unserem Haus parken konnten, sondern bot sogar an, uns beim Schleppen zu helfen (aber das konnten wir natürlich nicht annehmen).

Was man nachts um halb vier am Eurotunnel-Terminal in Calais so tun kann:

Geocaching (mein Log, Judiths Log). Im Hintergrund ein Hintern ein Monument der Kunst.

Geocaching am Eurotunnel-Terminal Calais

Und zu guter Letzt: die Queen mit ihrem Corgi.

Die Queen und ihr Corgy Wie sagte einer meiner Ex-Kollegen so schön? „Nach müde kommt blöd.“

The Karnickel has landed

Weg

[Mych] Alles ist weg …

… mein Sperrmüll. Freunde haben mir am Sonntag Abend geholfen, die Reste meines PAX, die für unser neues Haus leider spiegelsymmetrisch verkehrte GALANT-Tischplatte und meine alte Waschmaschine auf die Straße zu stellen. (Letztere war übrigens schon nicht mehr da, als wir vom gemeinsamen Abendessen zurückkamen.)

… der Inhalt meiner Wohnung. Gestern kamen zwei Engländer mit einem großen blauen Lastwagen und haben meine gut sieben Kubikmeter an Kisten und Möbelteilen eingeladen.

Schon bei der Besichtigung holte der Chef der beiden einen dicken Stapel Formularblätter (mit doppeltem Durchschlag) hervor und merkte leise seufzend an, dass er von DB Schenker deutlich mehr „paperwork“ bekommen hätte, als er jemals in England ausfüllen müsse. Und mindestens drei der Formulare drehten sich um verschiedene Varianten der Frage, welche Dinge vor und/oder nach dem Umzug in welchem Maße beschädigt waren (oder wurden).

Ich hätte meinen Umzug vorgestern beinahe noch unwillentlich abgesagt.

Die Abholung hatte ich schon letzte Woche mit DB Schenker auf Dienstag, 8 Uhr, terminiert. Am Montag Nachmittag klingelte mein Telefon, und der englischsprachige Anrufer teilte mir höflich mit, sie seien jetzt gerade mit ihrem Laster in Frankfurt angekommen, und wann sie denn vorbei kommen könnten, um meine Möbel zu holen. „Was soll denn das?“, grübelte ich leicht verwirrt, denn der Anrufer hatte einen Firmennamen deutlich ungleich DB Schenker genannt — vielleicht eines der englischen Umzugsunternehmen, bei denen ich angefragt hatte und sich bis jetzt nicht bei mir gemeldet hatten. Das wäre zwar eine seltsame Geschäftspraktik, aber vielleicht ticken ja manche Umzugsunternehmen so.

Also sagte ich sowas wie „Tut mir Leid, ich habe den Auftrag mittlerweile einer anderen Firma gegeben“, was wiederum bei meinem Gesprächspartner für höfliche Verwirrung sorgte, bis ich endlich mal „DB Schenker“ („dii-bii shenkrr“) erwähnte und daraufhin klar wurde, dass ich gerade mit dem Subunternehmer sprach, dem DB Schenker den Auftrag weitergegeben hatte. (Eigentlich sogar einem Subunternehmer des Subunternehmers, Eurovan, den DB Schenker mir dann auf meine Nachfrage hin bestätigte. Das hätten die mir allerdings ruhig mal von selbst mitteilen können — ich will ja nicht mein komplettes Hab und Gut in irgendeinen beliebigen Laster laden, der bei mir auftaucht.)

… mein „Dinge, die Michael nicht nach England umziehen will“-Tisch. Der stand vor meinem Büro und nahm die Dinge auf, die subjektiv in den Bereich zwischen „zu schade für den Müll“ und „nicht wertvoll genug zum Mitnehmen“ fielen. Zuletzt lag da noch drauf:

  • eine Senseo-Kaffeemaschine, die ich schon vor Jahren für meine Zwecke durch eine Nespresso-Maschine ersetzt hatte. Die hat im letzten Moment noch einen Abnehmer in einem meiner Kollegen gefunden, der sie in den Proberaum seiner Band stellen will.
  • eine Binäruhr (mit US-Netzteil). Um derer hat sich ein anderer Kollege erbarmt, der sie in seine private Informatiker-Museumsecke stellen will, wo sie dann in Ruhe vor sich hin blinken kann.
  • ein paar Musik-CDs: Kylie Minogue, Vanessa Amorosi (wer?) und die All Saints. Zu denen wollte sich niemand bekennen, also habe ich sie dem Restmüll zugetan.
  • ein paar Video-DVDs mit obskuren, nicht sehr bemerkenswerten Filmen. Die teilen sich jetzt den Platz mit den CDs.

Der Tisch war ein großer Erfolg — ich habe mich über jedes Ding gefreut, das noch für irgendwen nützlich ist und daher nicht (unmittelbar) auf dem Müll landen muss.

… ich. Zumindest klebt seit heute Morgen auf meinem Personalausweis an der Stelle, wo meine alte Adresse in Frankfurt stand, jetzt ein offizieller Aufkleber mit der Aufschrift „kein Wohnsitz im Innland“ [sic], samt offiziellem Tippfehler.

Die Wohnsitzabmeldung an sich wird allerdings erst zum Ende des Monats aktiv — das wird die Dame vom Amt sich „zur Wiedervorlage“ einstellen, damit sie es dann am letzten Tag des Monats ins System eintragen kann. Aber ich habe meine (korrekt datierte) Abmeldebescheinigung, die ich jetzt der Organisation-die-früher-GEZ-hieß vorlegen kann, damit die mir glauben, dass ich nicht heimlich ARD gucke, und vor allem Vodafone zufaxen kann, damit die mir (hoffentlich) kulanterweise eine Ausgleichszahlung für meine Internet-und-Telefon-Restvertragslaufzeit erlassen.

Weg