Jetzt geht’s los!

[Maus] Ich bin gerade in meinem Büro. Am Sonntag! Was soll ich hier auch sonst tun? Allein die Stadt erkunden ist nicht wirklich lustig. Heute Morgen habe ich den Fußboden in der Küche geschrubbt und na ja, meine neue PutzLEIDENschaft ausgeübt. Ich musste leider feststellen, dass die niegelnageneue Küche bei genauem Hinsehen auch überall kleine Farbspritzer hat. Da habe ich wahrscheinlich etwas typisch Englisches entdeckt, nämlich die fehlende Akribie, mit der ein deutscher Handwerker gearbeitet hätte. Mir sind auch noch andere Kleinigkeiten im Haus aufgefallen, die ich aber einfach ignorieren werde. Schließlich bin ich jetzt Engländerin und sollte mir ein wenig mehr Gelassenheit zulegen.

Gelassenheit ist auch das richtige Stichwort zum Thema Busse. Seit ich mich darauf eingestellt habe, dass die Busse fahren wie sie wollen, bin ich viel entspannter. Niemand erwartet von mir, dass ich pünktlich bin und so gewöhne ich mir so langsam den englischen Trödelgang an. Den gibt es übrigens nicht in London, da rennen alle. Das ist vielleicht so ein Großstadt-Ding, denn aus Berlin kenne ich das ja auch nicht anders.

Na jedenfalls, meine Wochenenden sind ziemlich ereignisarm und so verbringe ich einen Teil meines Sonntags im Labor. Ich mach‘ da nichts Anstrengendes, nur ein bisschen transformieren und Über-Nacht-Kulturen ansetzen. Die kommende Woche ist ja recht kurz und damit ich noch was reißen kann, arbeite ich heute eben ein wenig. So schlimm ist das auch nicht, denn so schön ruhig, wie am Wochenende ist es im Labor so gut wie nie.

In einer Woche ist Ostern und Michael und ich werden in Berlin sein. Am Samstag müssen wir meine Küche einlagern und Dienstag wird mein Zeug abgeholt. Jetzt geht es richtig los. Michael wohnt jetzt in einer Kistenburg und ich campe in meinem Schlafzimmer. Zum Glück ist das alles bald überstanden. Der ganze Stress mit dem Organisieren von diversen Dingen in Deutschland und England hat uns beide sehr viel Nerven gekostet. Wir müssen dann noch etwa eine Woche warten, bis unsere Möbel ankommen. Michael darf also mit mir zusammen campen. Das erste Maiwochenende wird dann nochmal ein Kraftakt, weil sämtliche Möbel aufgebaut werden müssen, aber danach wohnen wir endlich nach fast viereinhalb Jahren Fernbeziehung unter einem Dach. Ich hätte mir nie träumen lassen, dass dieses Dach in England steht, aber ich freue mich sehr darüber.

Der Garten sieht immer noch chaotisch aus. Unsere beiden Landladies hatten den Zaun angefangen zu streichen und müssen noch ein wenig Müll abtransportieren. Da ich jetzt aber schon dort wohne, wollen sie nicht weitermachen. Sie befürchten wohl, mich zu stören. Mir wäre es egal, aber ich finde es sehr sympathisch, dass sie darauf Rücksicht nehmen. Sie wollen den Rest erledigen, wenn ich nach Berlin fliege. Na von mir aus.

Jetzt geht’s los!

Fun Fact #6

[Mych] Offensichtlich ist “Conventry” [sic] eine sehr beliebte Falschschreibung unter Deutschen: Erst hat’s DB Schenker so aus meinen E-Mails falsch übernommen (bevor sie einfach “Umzug von Frankfurt nach Buschbeck” in ihre E-Mail-Betreffs an mich geschrieben haben), und jetzt auch noch die Techniker Krankenkasse in ihrem Vordruck E106. Wenigstens stimmt die Postleitzahl.

Judith spekuliert, dass die da einen Zusammenhang mit einem Konvent sehen.

(alle Fun Facts)

Fun Fact #6

Unser Haus

[Maus] Ich nutze mal die Putzpause, um von unserem neuen Haus zu berichten. Mein Einzug liegt ja nun schon ein paar Tage zurück und es wird Zeit, dass ich mich mal wieder zu Wort melde.

Eigentlich hatte ich meinen letzten Vermieter gebeten bis abends in meiner Bude bleiben zu können, denn am 1. April hatte meine neue Chefin ein Symposium an der Uni organisiert, bei dem wir natürlich mit aushelfen sollten. Das bedeutete um 8:45 Uhr bei ihr im Büro zu erscheinen, um als Tragehilfe auszuhelfen. Da ich aber morgens aus meiner Bude raus musste, hieß es auch, rechtzeitig aufzustehen, also 6:30 Uhr. In aller Eile habe ich meinen restlichen Kram zusammengepackt und meine zwei Koffer und 5 Taschen, sowie einen Rucksack rüber zu meinem Vermieter gebracht. Unglaublich, was ich in nur zwei Monaten alles rangeschafft habe. Den Bus den ich erwischen wollte, habe ich nicht mehr bekommen. Blöderweise blieb mir damit nicht genug Zeit, noch vor Beginn des Ganzen meine Auftragsbestätigung für meinen Umzug auszudrucken, zu unterschreiben, einzuscannen und per Email wegzuschicken. Auch das musste unbedingt noch am selben Tag geschehen, sonst wäre mein Umzug am 22. April nicht mehr möglich gewesen. Aber ich schaffte es immerhin pünktlich zu meiner Chefin ins Büro.

Ich war dann den ganzen Tag damit beschäftigt, Leute zu begrüßen, Vorträge zu hören, Poster anzuschauen und mit den dazugehörigen Studenten zu sprechen. Obendrein haben wir drei Postdocs Getränke besorgt und Knabbereien bereitgestellt. Während einer Pause habe ich dann schnell noch die Auftragsbestätigung auf den Weg gebracht. Als das Symposium zu Ende war, war ich auch schon am Ende, musste aber noch zu meinem alten Haus, um dort auf meine neue Landlady zu warten.

Wir waren um 19 Uhr verabredet aber sie tauchte nicht auf. Kurz nach 19 Uhr bekam ich von ihr eine Nachricht, dass ihr Flieger aus Berlin spät dran war und sie mich gegen acht abholen käme. Glücklicherweise durfte ich bei meinen Vermietern warten. Nancy (die Hausherrin) zeigte mir ihre Kaninchen, die alle drei (!) im Garten herumhoppelten. Um ehrlich zu sein, sah ich zunächst nur die Zwei, die ich schon kannte. Bijous reicher (und kastrierter) Onkel lebt mit zwei Damen zusammen. Die eine ist die Anführerin und sagt den anderen beiden wo es lang geht. Sie hat das auch mal demonstriert an der zweiten Häsin, die holte Nancy nämlich hinter einer im Garten gelagerten Matratze hervor. Die Anführerin hat sie gleich mal ein wenig gejagt und vom saftigsten Grün vertrieben.

Irgendwann um halb 10 kam meine Landlady dann endlich. Wir luden meine zahlreichen Sachen in ihren sehr großen Volvo und fuhren zum Haus, in dem sich leider nicht viel getan hatte seit unserem letzten Besuch. Hektisch zeigten mir die beiden Schwestern noch die Geräte und wollten auch noch schnell einen Filter in die Dunstabzugshaube einbauen. In Ermangelung einer Anleitung schlug ich nach 10 Minuten Diskussion vor, das auf ein anderes Mal zu verschieben. Ich bekam die Schlüssel und wir fummelten eine Weile an den verschlossenen Fenstern herum. Die Schlüssel für die Fenster fanden sich an diesem Abend nicht mehr an. Irgendwann gegen halb zwölf war ich endlich allein in unserem neuen Haus und wollte nur noch schlafen.

Inzwischen habe ich mich mit meiner sehr puristischen Einrichtung arrangiert. Ich habe einen Kleiderschrank und eine Kommode, eine Luftmatratze und zwei Stühle. In der Küche ist ja alles außer Geschirr vorhanden. Meine beiden Landladies haben mir noch ein wenig Oma-Geschirr dagelassen. Im Badezimmer haben sie mir einen Handtuchhalter, ein kleines Metallregal, einen Klorollenhalter mit Klorollen und einen Mülleimer dagelassen. Ich habe mir dann bei IKEA noch einen Wäscheständer kaufen müssen, obwohl wir davon genug besitzen und zu allem Überfluß bringt Michael auch noch einen Wäschetrockner mit. 🙂

In Flur und Küche gibt es ein sehr hübsches Steinfliesenmosaik, was typisch ist für Großbritannien. Leider hat bei den Renovierungsarbeiten keiner darauf geachtet, die Fliesen vor Farbklecksern zu schützen. Ich habe also gestern und heute auch hier meinen neu erworbenen Putzzwang ausgelebt und Fliesen geschrubbt. Der Flur sieht jetzt schon ganz hübsch aus. Die draufgeschmierte Lackfarbe muss ich noch irgendwie entfernen aber der IST-Zustand ist akzeptabel.

Gestern wollte ich dann auch zum ersten Mal kochen. Ich schnibbelte also auf meinem neuen IKEA Holzbrett meine Zwiebeln und Pilze klein und wollte dann den Gasherd anschalten. Laut Anleitung drückt man dafür den Knopf rein und dreht ihn auf höchste Flamme. Als ich das tat, hörte ich lediglich das Gas ausströmen. Keine Zündung. Ich grübelte eine Weile, beschloss dann aber doch nach einer Anleitung zu suchen. Die hatte man mir leider nicht dagelassen, also musste ich im Internet suchen. Da stand genau das, was ich getan hatte. Mmh. Ich grübelte, ich las. Da steht was von elektrischer Zündung. Muss ich bei diesem Ding etwa erst noch den Strom einschalten? Ich suchte also nach einem Schalter. Dieser musste sich ja irgendwo in der Küche befinden. Nach gefühlten zwei Stunden (es waren wohl eher 30 Minuten) fand ich im Schrank einen Schalter, den ich noch nicht probiert hatte. Den hatte ich gefunden, weil ich mit meiner Taschenlampe dem Kabel vom Herd gefolgt war. Meine feingeschnittenen Schalotten waren schon halb vertrocknet als ich endlich mit dem Kochen loslegen konnte. Diese Schalter hier sind mir ein Rätsel.

Unser Haus

Wohnung.zip

[Mych] Mein PAX ist ein Klamottengrab.

Bis Judith und ich ihn letztes Wochenende mit vereinten Kräften abgebaut haben, nahm den größten Teil der Westwand meiner Ein-Zimmer-Wohnung einer von diesen großen PAX-Kleiderschränken von IKEA ein — zwei Meter breit, bis knapp unter die Decke, und 60 Zentimeter tief.

Mir war schon immer klar gewesen, dass in den hinteren zwei Dritteln meines PAX alle möglichen verborgenen Schätze schlummern müssten. Ich habe Judith gefragt, wie sie mit den unzugänglichen Tiefen bei ihrem eigenen PAX umgegangen ist, und sie lagert in der hinteren Hälfte halt immer ihre nicht zur aktuellen Saison passenden Klamotten; aber wer mich kennt, weiß, dass ich im Sommer Jeans und T-Shirt trage und im Winter vielleicht noch einen Pulli drüber.

Das Ausräumen meines Kleiderschranks hatte daher etwas Archäologisches an sich: Je tiefer ich vordrang, desto antiker wurden die Fundstücke. Ganz hinten fand ich: Hemden, die ich zuletzt in meinem Abi-Jahr getragen hatte; meine Leder-Bomberjacke, Modell „Tom Cruise“; eine ganze Reihe von Hosen mit einer Handbreite Luft um die Taille (heh!); und eine Riesenmenge Schlabberpullis und schlecht geschnittener T-Shirts, die ich bevorzugt getragen hatte, als ich noch deutlich pummeliger war.

Am Ende hatte ich ein gutes Dutzend 30-Liter-Müllsäcke voller alter Klamotten, die ich beim besten Willen auch nicht als Souvenirs aufbewahren wollte. Der Altkleidercontainer vom Roten Kreuz in Seckbach hat sich gefreut.

Nur nicht über die Bomberjacke. Denn für besonders gut erhaltene Fundstücke, die ich loswerden wollte, habe ich vor mein Büro einen „Dinge, die Michael nicht nach England umziehen will“-Tisch aufgestellt, um diese Dinge einem neuen freundlichen Zuhause zuzuführen:

Dinge, die Michael nicht nach England umziehen will

Den Auftakt machte ungefähr ein Drittel meiner vor allem für mich erstaunlich großen Sammlung von DVDs (und ein paar Musik-CDs), die ich in den ersten Tagen meiner Packerei aus praktisch allen Fächern, Nischen und Schubladen barg, die meine Wohnung so zu bieten hatte.

Überraschend viel geht weg, aber einige Dinge sind offensichtlich Ladenhüter: Niemand will sich zum „Wixxer“ bekennen, und Kylie Minogue teilt sich seit Wochen die hintere Ecke des Tischs mit den All Saints. Von der Bomberjacke dachte ich auch eine ganze Weile, dass sie übrig bliebe, aber dann war sie eines Morgens doch weg. Vielleicht finde ich ja noch raus, wo sie gelandet ist …

Schnellvorlauf bis ein oder zwei Wochen später: Grabungsarbeiten in meinem Kellerabteil.

Dessen Inhalt bestand, wie ich jetzt weiß (und vorher vermutete), zu einem großen Teil aus Elektroschrott aus den Zeitaltern, als man noch Desktop-Computer hatte und ich den meinen regelmäßig mit neuen Komponenten aufgerüstet hatte. Irgendwann auch mal mit einer 3D-Grafikkarte, die eine Shutterbrille mitbrachte, die sich auch als modisches Accessoire für einen Shadowrunner gut machen würde:

Shutterbrille

Und meine erste Digitalkamera — mit zwei Megapixeln Auflösung, einem Batteriefach für vier Mignon-Zellen, optischem Sucher und einer „Compact Flash“-Speicherkarte, auf deren großzügigen 8 MB Speicherplatz man immerhin noch drei Fotos von meinem iPhone unterbringen könnte:

Kodak-Digicam

Die hatte ich mir damals gekauft, als ich noch zu meinen aktiven Jugendmedienzeiten im Bildungszentrum Nürnberg ein Wochenendseminar übers Medienmachen halten sollte und die progressive Idee hatte, Fotos nicht erst vom Film über den Scanner in den Computer bekommen zu wollen. Und: Sie funktioniert noch! — ich musste nur ein bisschen korrodiertes Metall von den Batteriekontakten abkratzen. Die hab ich natürlich behalten.

Und dann noch: Backups auf Daten-CDs. Erhebliche Mengenanteile davon (legal!) heruntergeladene Software-Setups und Spiele-Demos aus Zeiten, als ein 20-Megabyte-Download noch eine erhebliche Zeit- und Geldinvestition darstellte. (Als ich in München einzog, hatte ich immerhin schon ISDN: Damit konnte man fast ein halbes Megabyte pro Minute runterladen, während der Gebührenzähler leise vor sich hin tickte.)

Ein paar Sachen habe ich (digital) aufgehoben — nicht zuletzt mein allererstes kommerzielles Software-Projekt, entstanden circa 1997 am blauen Highscreen-Colani-Laptop meiner Mutter in vielen Stunden des Zivi-Sonntagsdiensts in der Pforte der (mittlerweile nicht mehr existierenden) Frauenklinik Rheinfelden: der „ArthroAssistent“. Sogar die alten 3½-Zoll-Disketten-Labels habe ich gefunden:

20140401-arthroassistent

Die übrigen, seit Jahren unbedruckten Labels habe ich jetzt mit Aufschriften wie „Sperrmüll!“ und „Bitte nicht belasten!“ bedruckt (mit meinem übrigens fast genauso alten, aber noch tadellos funktionierenden HP LaserJet 6P, der wohl verpackt auf seine nächsten fünfzehn Jahre Dienstzeit wartet) und beppe sie auf allerlei Dinge, die so gerade in meiner Wohnung herumstehen, denn mit 3½-Zoll-Disketten werde ich wahrscheinlich so bald nicht mehr hantieren.

Und zu guter Letzt noch dieses Fundstück von unter meiner Spüle: ein 1995er Trollinger/Lemberger-Cuvée:

20140401-wein

Nach fast zwanzig Jahren der, hrm, Reifung (davon zehn unter meiner Spüle) sollte das doch ein recht edles Tröpfchen geworden sein, nicht wahr?

… nee, leider nicht. Nachdem ich den bröseligen Korken aus dem Flaschenhals gepfriemelt hatte, kam aus der Flasche nur eine blasse, rötlich-orange Flüssigkeit, die geschmacklich nicht mehr viel zu bieten hatte. Nun ja. Immerhin weiß ich, dass Rotwein bei Judith und mir dieser Tage sicher keine Gelegenheit mehr bekommt, in unserer Obhut so alt zu werden.

Wohnung.zip

Was zuletzt geschah

[Mych] Unser Schweigen ist nur äußerlich.

Für Ostern sind unsere beiden Umzüge geplant — meiner kurz davor, Judiths kurz danach –, und die organisatorischen Klimmzüge, die wir dafür machen müssen, haben am Abend nicht viel mehr Energie übrig gelassen als gerade genug für ein leises „Bleh“.

Was, unter anderem, in den letzten drei Wochen geschehen ist:

  • Wir haben den Mietvertrag für das Haus unterzeichnet. Unsere beiden Landladys waren wieder sehr zuvorkommend mit Tee und Gebäck, und das Wetter war fantastisch. Wir haben danach noch zu viert draußen auf der Terrasse in der Sonne gesessen und über Gott und die Welt gequatscht.
  • Wir haben uns ein gemeinsames Haushaltskonto (bei Lloyds) zugelegt, und Judith ist mit ihrem Privatkonto von Santander zu Lloyds umgezogen. Beides dauerte in Summe ungefähr eine Stunde, und auch von ihr wollten sie nicht mehr als ihren deutschen Personalausweis sehen. (Kein Adressnachweis, kein Pass, kein Gehaltsnachweis, nur den Perso.) Zufälligerweise waren wir an den gleichen sympathischen Berater geraten wie vor ein paar Wochen, als ich mein Konto dort eröffnet hatte. Im Online-Banking sehen wir beide jetzt jeweils unser Privat- und unser Haushaltskonto, und Geldüberweisungen vom einen zum anderen sind buchstäblich instantan. (Und Überweisungen zwischen verschiedenen Banken dauern höchstens zwei Stunden. Davon könnte sich das deutsche Bankwesen echt mal ’ne Scheibe abschneiden.)
  • Als Übergangslösung fürs im neuen Haus noch fehlende Internet haben wir uns bei O₂ einen „4G Mobile Broadband“-USB-Stick gekauft, den’s an diesem Wochenende zufälligerweise zum halben Preis gab. Das Ding stellt ein lokales WLAN zur Verfügung und ist schneller als mein alter DSL-Zugang in Frankfurt. (Und der nächste O₂-Funkmast ist zwei Straßenecken von unserem Haus entfernt.)
  • Unsere Logistikpläne für den finalen Umzug über Ostern haben wir zweimal umwerfen müssen, denn niemand will Judiths Hasen transportieren: GermanWings (fliegt von Berlin) nimmt gleich gar keine Tiere mit; Lufthansa (fliegt nur von Frankfurt) würde den Hasen im Laderaum mitnehmen, aber dann müssten wir den alten Herrn für mehrere Stunden alleine lassen; und der EuroStar durch den Eurotunnel lässt auch keine Karnickel im Gepäck zu. Es sei denn, man nimmt es im eigenen Auto über Eurotunnel Le Shuttle durch den Tunnel mit. Also fahre ich zu Karfreitag mit meinem Seat Ibiza nach Berlin und wir alle zusammen dann kurz nach Ostern erst nach Calais, dann durch den Tunnel, und dann weiter bis nach Coventry.
  • Ich habe amüsante und kuriose Dinge beim Zusammenpacken meiner Wohnung gefunden. Aber dazu gibt’s einen separaten Beitrag.

Ein paar Bemerkungen zum Haus:

  • Das Haus ist sowieso toll gelegen. Wenn man hinten durch die Tür im Gartenzaun rausgeht, steht man auf einer Privatstraße, von der aus man durch ein verschlossenes Gatter (zu dem wir einen Schlüssel bekommen) nur noch eine Straßenüberquerung entfernt ist vom Lake View Park — einem tollen, etwas wilden Riesenrasengelände mit anderthalb Flüsschen, keinem See (der war wohl mal geplant, wurde aber nie gebaut), dafür aber kleinen wilden Unterholz- und Baumgrüppchen. Da legen wir einen T4-er Geocache hin.
  • Wir haben den Grundriss unserer fünf Zimmer in SketchUp aufgemalt und auf diese Weise herausgefunden, dass wir in diesen Zimmern insgesamt etwa 50 Quadratmeter an Wohnfläche haben (plus Flur, Küche, Bad, Terasse, Abstellkammer, Garten, und Gartenklo). Aber wir haben’s tatsächlich geschafft, alle von Judiths Möbeln und den größeren Teil von meinen sinnvoll (virtuell) unterzubringen.
  • Angeblich bekommt man bei unserer neuen Adresse Glasfaser-Internet mit einer Bandbreite, die meinen klapprigen DSL-Zugang in Frankfurt alt aussehen lässt.
  • Ein paar der schönen alten Holzmöbel, die im Haus standen, haben wir übernommen; und Judiths Frage, ob sie vielleicht den einen oder anderen altersbedingten Makel durch Abschleifen und Neulackieren reparieren dürfte, wurde bedenkenlos bejaht. Da sind die ersten paar handwerklichen Projekte ja schon vorbestimmt.
  • Wir wissen noch nicht so recht, wie man die gasbetriebenen Kamine in Wohn- und Esszimmer anfeuert. Es gibt eine Anleitung mit ungefähr zwanzig einfachen Schritten, die durchgeführt werden müssen. Die werden wir einfach mal systematisch durchprobieren. (Marys Ansatz per Intuition funktionierte jedenfalls nicht auf Anhieb.)
Was zuletzt geschah

Alarm

[Maus] Heute habe ich einen Feueralarm miterleben dürfen. Doch wie kam es eigentlich dazu?

Alles begann am Donnerstag.

Der Donnerstag begann als ganz normaler Arbeitstag — ich war den ganzen Tag mehr oder weniger beschäftigt. Meistens leider eher weniger, weil ein wichtiges Gerät komplett ausgefallen war und ich diese Woche damit zugebracht hatte, die Formalitäten zum Bestellen eines Bakterienstammes aus Japan und einer Gelfiltrationssäule zu klären. Beides hatte ich nun am Donnerstag endlich hinter mich gebracht und freute mich nun darauf, dass ich endlich richtig loslegen könnte, wenn erst einmal alles angekommen ist.

Am frühen Nachmittag befiel mich dann ein merkwürdiger Husten, der wie aus dem Nichts kam. Ich hatte mich bis dahin nicht krank gefühlt, aber ganz plötzlich fühlte ich mich elend.

Unglücklicherweise war für den Freitagabend eine Abschiedsparty für meine italienische Kollegin geplant und ich wollte unbedingt mitfeiern. Also bin ich Donnerstag auf dem Heimweg noch in eine Apotheke und habe mir einen Hustensaft gekauft. Meine üblichen Medikamente gab es leider nicht. Zu Hause habe ich dann noch einen Kartoffel- und einen Eiersalat für die geplante Abschiedsparty zubereitet und bin dann ins Bett geschlichen.

Am nächsten Morgen weckte mich mein Wecker. Ich hatte rasende Kopfschmerzen, mein Brustkorb brannte und meine Stimme war komplett weg. Zunächst einmal habe ich mich von der Arbeit abgemeldet, um mich gleich wieder ins Bett zu packen. Ein paar Stunden später rief mich meine italienische Kollegin an, um sich nach mir zu erkundigen. Ich piepste mit krächzender Stimme in mein Handy, dass mir Sprechen unmöglich wäre, und hörte am anderen Ende nur irres Gekichere und ein „Lass uns texten, okay?“. Ich schrieb also, dass ich vorbeikäme, wenn es mir bis zum Abend besser ginge. Leider wurde es nicht besser. Keine Party! Kein Abschied! Und eine große Portion Kartoffelsalat für mich allein.

Das einzige Highlight des Tages war Bijous reicher Onkel, der offenbar einen Freund im selben Garten hat — und meinen Vermietern gehört. Ach, die Geschichte hätte nicht besser enden können. Ich muss mir keine Sorgen mehr um das Häschen machen.

Na jedenfalls, zurück zum Feueralarm. Heute schlief ich also wieder lang und quälte mich gegen Mittag aus meinem Bett, weil ich mir noch ein paar gesunde Früchte kaufen wollte. Ich schlich also Richtung Earlsdon Zentrum, um in den dort ansässigen Supermarkt zu gehen. Nachdem ich fast alles zusammengesucht hatte, ging plötzlich der Feueralarm los, und nach anfänglicher Verwirrung ging der Store Manager laut rufend durch den Supermarkt, dass dies ein Feueralarm sein und alle den Supermarkt verlassen sollten. Ich stand nun also draußen bei strahlendem Sonnenschein und hoffte, meine Einkäufe noch erledigen, zu können, bevor ich mich mitten in Earlsdon zum Ausruhen auf den Bürgersteig legen müsste. Aber es dauerte nicht lang, da gab es Entwarnung und wir durften weiter einkaufen.

Zwei Minuten später ging der Alarm wieder los. Diesmal war der Store Manager ein wenig aufgeregter: Wild mit den Armen fuchtelnd und laut rufend scheuchte er uns alle wieder aus dem Laden. Eine Angestellte hatte inzwischen ein Telefon in der Hand und rief die Feuerwehr. Wieder stand ich draußen und hoffte darauf, dass ich meinen Einkauf noch beenden können würde. Nach zehn Minuten war ein Löschzug da, der dann einen Brand im Lager löschen musste. Weitere fünf Minuten später kam ein weiterer Löschzug, der im Laden nach dem Rechten schaute und ihn auch wieder freigab. Was für ein Glück — ich hatte noch genügend Kraft, meine Einkäufe zu bezahlen und nach Hause zu tragen. Bei Regen hätte ich sicher früher aufgegeben. Bei 15°C und Sonnenschein kann man es sich ja durchaus auch mal auf den Bürgersteig bequem machen. 🙂

Feuerwehr Das ist der erste Löschzug
Feuerwehr Das ist der erste Löschzug
Alarm

Wohnungssuche

[Maus] Es war ein ereignisreiches Wochenende, und ich habe soviel zu berichten, dass ich noch nicht weiß, ob es vielleicht in den nächsten Tagen eine Fortsetzung geben wird.

Die ganze Woche über war ich immer wieder damit beschäftigt, Besichtigungstermine für Wohnungen und Häuser zu vereinbaren, weil ich Michael gern dabei haben wollte. Solche Entscheidungen allein zu treffen gefällt mir nicht.

Die erste Besichtigung war schnell für Samstag Morgen vereinbart. Es handelte sich um eine 2-Schlafzimmer-Wohnung in Chapelfields. Der nächste Telefonanruf endete zwar ohne einen Termin zur Besichtigung, aber verlief trotzdem sehr erfreulich. Nachdem ich mich am Telefon vorgestellt hatte, sagte die Dame am anderen Ende „Sprechen Sie Deutsch?“, was ich verdutzt mit „Ja!“ beantwortete. Die nette Dame namens Dagmar teilte mir dann allerdings mit, dass sie das angebotene Haus bereits vermietet hätte. Sie fragte mich dann aber auch noch, ob Sie sich meine Nummer notieren dürfte, um sich bei mir zu melden, sobald eines ihrer anderen Häuser frei würde.

Den zweiten Besichtigungstermin musste ich dann über E-Mail organisieren, was glücklicherweise auch noch vor dem Wochenende klappte, und für den Sonntag hatte ich auch noch eine Besichtigung organisiert.

Wir hatten also viel vor. Doch das war noch nicht alles. Der erste Besuch kündigte sich auch für dieses Wochenende an und ich freute mich riesig, dass mich Mark und René hier besuchen kommen wollten. Da sie nichts dagegen hatten, uns zu unseren Besichtigungen zu begleiten, sind wir also zu viert losgezogen.

Um 10:30 Uhr holten wir die beiden vom Bahnhof ab und gingen zu besagter erster Wohnung. Der vordere Teil des Hauses war ein massives Stahlbetonwerk und sah beeindruckend aus. Ein Anbau, der die Wohnung enthielt, war in einem ähnlichen Stil gebaut, aber natürlich wesentlich jünger. Die Wohnung gefiel uns, alles schlicht und modern gehalten und in relativ gutem Zustand. Auch Mark, der sicher schon einiges gesehen hat, stimmte uns zu.

Aber natürlich schaut man sich nicht nur eine Wohnung an. Da wir noch Zeit bis zur nächsten Besichtigung hatten, zeigte ich René und Mark erst einmal meine Bude. Sie ist natürlich nicht beeindruckend, aber immerhin konnte jeder bequem sitzen.

Als nächstes wollten wir uns ein 3-Schlafzimmer-Haus anschauen, das in Earlsdon steht. Da wir ein wenig zu früh vor Ort waren, haben wir uns noch ein wenig umgeschaut und Mark entdeckte eine Katze, die sogleich ein wenig schmusen wollte. Michael lockte sich diese Katze ebenfalls an, um sie zu streicheln, und die Katze war so nett, sich mit einem herzhaften Biss in seine Hand zu bedanken. Ich mache mir seitdem Sorgen, dass sich das entzündet und ihm die Hand abfault. Blödes Viech. Zum Glück sieht es heute gar nicht mehr so schlimm aus. Er ist also mit einer blauen Hand davongekommen. Und das, nachdem er sich erst ein Wochenende vorher einen Stock gegen den Kopf schmeißen ließ. Ich glaube, er versucht gerade krampfhaft, meinen Narbenrekord zu brechen.

Mit blutender und zerkratzter Hand gingen wir also zum nächsten Besichtigungstermin. Ich weiß gar nicht so recht, was ich dazu sagen soll. Abgewohnt, ungepflegt, kalt, hässlich? Ja, alles. Der Makler wollte uns dann gleich noch das Nachbarhaus zeigen, das unmöbliert war, im Gegensatz zum ersten Haus. Man konnte sich also besser seine eigenen Möbel vorstellen. Ich wollte das nur nicht. Ich war nicht beeindruckt. Der Makler meinte, wenn wir noch Interesse hätten, würde er uns noch ein drittes Haus zeigen, das nicht weit weg sei. Er würde nur noch eine Besichtigung machen und dann den Schlüssel für dieses Haus besorgen.

Wir gingen derweil einen kleinen Snack essen und trafen uns dann mit ihm in einem kleinen Häuschen, nicht viel schöner als die letzten beiden, aber man könnte sich vorstellen, dass man es sich schön einrichten könnte.

Da wir aber bereits die Wohnung, die wir zuerst gesehen hatten, überzeugend fanden, fielen alle drei Häuser durch. Keine Chance, dass wir dort einziehen. Aber der Tag war noch jung nach all den Besichtigungen. Wir sind noch einmal kurz zu mir gegangen, um die Prospekte dazulassen und was Wärmeres anzuziehen. Und wer sitzt da im Garten und mampft? Richtig, Bijous reicher englischer Onkel. Der kommt mich jetzt wohl täglich besuchen.

Wir unternahmen anschließend einen kleinen Ausflug nach Kenilworth — in der Hoffnung, noch die Schlossruine besichtigen zu können. Leider hatten sie schon geschlossen, und so blieb uns nichts anderes, als einen Runde um das Gelände zu drehen. Es ist sehr sehenswert und mit Sicherheit werde ich hierhin noch ein paar Ausflüge unternehmen.

Nach einer Erfrischung in dem Pub, in dem ich schon mit meinen Kolleginnen war, sind wir mit dem Bus zurückgefahren und haben uns noch einen netten und köstlichen Abend im „The Royal Bengal“ gegönnt. Mark hat wieder sehr gut ausgewählt — mir hat sogar das Lamm vorzüglich gemundet.

Heute war dann unser vorerst letzter gebuchter Besichtigungstermin. Diesmal nicht in Earlsdon, sondern oberhalb von Chapelfields. Wir versprachen uns nicht viel davon, da wir von diesem Haus bis dahin nur die Frontansicht kannten. Da es aber auf OpenRent angeboten wurde, gaben wir dem Haus eine Chance, denn immerhin mietet man da nicht über einen Makler, sondern direkt vom Vermieter.

Schon, als wir davorstanden, waren wir uns einig, dass uns das Haus gefällt und es einen gepflegten Eindruck machte. Doch drinnen kam die richtige Überraschung. Es öffnete uns eine Dame mittleren Alters, die uns mitteilte, ihre Schwester (diejenige, mit der ich den Termin vereinbart hatte) wäre zwar noch nicht da, aber wir könnten uns ruhig schon umschauen. Was wir sahen, war einen kleine Baustelle, denn es wurde gerade alles neu gemacht. Die Wände waren gestrichen, viele Steckdosen neu eingebaut, der Boden neu gemacht, die Fenster sind doppelt verglast, in den unteren beiden Räumen hatten sie zwei nagelneue Gasfeuerstellen eingebaut, die Küche ist neu und mit Waschmaschine, Geschirrspüler, Kühlschrank, Gasherd und Backöfen ausgestattet. Es gibt einen kleinen Garten mit einem Außenklo und zwei große Schlafzimmer, ein kleines Zimmer und ein Badezimmer in der oberen Etage. Kurz: ein Traumhaus.

Als Sahnehäubchen obendrauf gab es selbstgebackenen Kuchen und Tee und ein Schwätzchen mit zwei sehr unterschiedlichen, aber sehr herzlichen Schwestern. Wenn die beiden uns als Mieter wollen, ziehen wir im April dort ein. Ich könnte nicht glücklicher sein. 🙂

Wohnungssuche

Besuch vom Osterhasen?

[Maus] Heute Morgen, als ich frische Luft in meine Bude ließ, habe ich etwas Flauschiges in meinem Garten entdeckt. Da saß doch tatsächlich ein Kaninchen und mümmelte Gras. Ich war schon drauf und dran den kleinen Kerl zu fangen, denn ich glaube eigentlich nicht, dass der ein wildes Stadtkaninchen war. Aber als ich ein paar Schritte in Richtung Häschen ging, hopste es ein wenig von mir weg.

Ich hoffe das kleine Kerlchen, das übrigens vom Aussehen her ein naher Verwandter von Bijou (mein eigenes Kaninchen) sein könnte, findet seinen Weg nach Hause oder wird von einem Menschen eingefangen.

Mein alter Herr (Bijou) hat am 15. März Geburtstag und wird dann 11 Jahre alt. Ich freue mich schon auf seinen Umzug zu mir.

Besuch vom Osterhasen?

Eurosterling

[Mych] Wenn Euros von Deutschland nach Übersee reisen, werden sie kleiner.

Das geschieht ganz besonders dann, wenn eine Bank die Reise organisiert. Und im Gegensatz zu Judiths Gehalt fällt meins auch weiterhin in Deutschland an, aber brauchen tu ich’s natürlich in England. (Sonst wäre ja auch das schöne neue Konto bei der Lloyds ganz traurig.)

Seit Anfang Februar dieses Jahres kann man endlich per SEPA-Überweisung genauso kostenfrei Euros ins europäische Ausland überweisen wie im Inland. Das ist eine tolle Sache, aber da die Briten so sehr an ihren Pound Sterling hängen, nutzt sie mir kaum was: Irgendwo muss das Geld von Euros in Pfunde gewechselt werden.

Ich will diesen Prozess möglichst schmerz- und verlustarm gestalten — immerhin geht’s hier um mehrere Jahresgehälter; da lohnt sich ein bisschen Optimierungsaufwand. Zur Debatte stehen die folgenden Alternativen:

  1. SWIFT-Überweisung (die gute, alte, teure Auslandsüberweisung) in Britischen Pfund von der Deutschen Bank an Lloyds (denn eine SEPA-Überweisung geht per Definition nur in Euro). Den Geldwechsel übernimmt die Deutsche Bank.
  2. SEPA-Überweisung (in Euro) von der Deutschen Bank an Lloyds. Den Geldwechsel übernimmt Lloyds.
  3. Verwendung eines auf internationale Geldtransfers spezialisierten Drittanbieters wie TransferWise oder CurrencyFair.

Und so sieht’s aus:

Die Deutsche Bank mag nicht billig sein, aber sie hat hervorragende Dokumentation ihrer Preise. Im aktuellen Preis- und Leistungsverzeichnis gibt es auf Seite 7 eine Tabelle mit dem Titel „Zahlungsauftrag im Außenwirtschaftsverkehr“, und da steht kurz und knackig, was eine SWIFT-Überweisung kostet: 0,175% des Gesamtbetrags (aber mindestens 12,50€) plus ein Fixbetrag von 26,55€. Unter 39,05€ pro Überweisung kommt man da also nicht weg.

Ich wünschte, die Dokumentation der Lloyds wäre genauso gut wie die der Deutschen Bank. Nachdem ich mir einen Abend lang ’nen Ast gesucht hatte, ohne dabei mehr als ein paar eigentlich eher unpassende, verstreute Gebührenangaben zu ähnlichen, aber nicht wirklich der gleichen Sorte von Transaktion gefunden zu haben, gab ich auf und entschloss mich, einfach mal nachzufragen.

Aber man kann der Lloyds nicht einfach eine E-Mail schicken. No, Sir. E-Mails sind wie Web 1.0 und außerdem reicht die Aufmerksamkeitsspanne der meisten Leute eh kaum von einem Satz zum nächsten. Also kann man entweder anrufen — womit ich mir mit einem mehr oder weniger komplizierten geschäftlichen Anliegen angesichts meiner fehlenden Routine mit Englisch sprechen (und Engländer verstehen) noch ein bisschen schwer tue –, oder man kann twittern. Welche Frage könnte man wohl schon einer Bank stellen wollen, die nicht locker in 125 Zeichen Text passt?

Aus irgendeinem Grund besitze ich sogar tatsächlich ein Twitter-Konto. Also grub ich das Passwort aus, fing mir mit meinem erstmaligen Login seit Monaten gleich eine hyperenthusiastische „Willkommen zurück!“-Mail von Twitter.com ein, und twitterte los:

[tweet https://twitter.com/MBuschbeck/status/435386544644300801 align=’center‘]

Man würdige, dass dieser Tweet das Ergebnis von einigen Minuten Herumfeilerei ist, um meine eigentliche Frage auf Twitterkompatibilität herunterzudampfen. (Er ist auch genau 140 Zeichen lang. Darauf habe ich es nicht angelegt, aber es ist bezeichnend.)

Immerhin dauerte es nicht lang, bis der Lloyds-Support zurückzwitscherte:

[tweet https://twitter.com/AskLloydsBank/status/435393487853191168 align=’center‘ hide_thread=’true‘]

[tweet https://twitter.com/AskLloydsBank/status/435393757379174400 align=’center‘ hide_thread=’true‘]

Tja, also, dann also doch eine Telefonnummer. Immerhin eine (in England) gebührenfreie, die ich allerdings nicht so einfach von Deutschland aus anrufen kann — oder doch, wie mir dann einfiel: Gebührenfreie UK-Rufnummern kann man mit Skype tatsächlich ohne Weiteres auch von Deutschland aus anrufen. Tolles Feature. Also rief ich an.

Die nette Dame am anderen Ende nahm meine vorgebrachte Frage (praktisch wortlautidentisch mit dem obigen Tweet, nur mit noch ein paar Füllwörtern fürs Höflichsein) freundlich entgegen und gab mir erstmal einen aktuellen, konkreten Wechselkurs fürs Konvertieren eines konkreten Euro-Betrags nach Pfund. Als ich nachhakte, wie sich denn dieser Kurs berechne und was für Gebühren denn eventuell noch so anfielen, fiel die Dame erstmal in geschäftiges Schweigen — ihr leises Tastaturgeklapper im Hintergrund, alle paar Minuten unterbrochen von einer zunehmend umfangreicheren Entschuldigung dafür, dass das so lange dauere, denn offenbar fand sie die entsprechende Gebührenordnung auch nicht.

Während ich wartete, verglich ich den von ihr genannten Wechselkurs von gerade eben mit dem, den Google mir ausspuckte, warf die beiden ungleichen Werte in den Taschenrechner und fand heraus, dass der Lloyds-Kurs knapp 3% schlechter für mich ist als das, was Google sagt. Eine definitive Aussage wäre mir ja lieber gewesen, aber letzten Endes unterbrach ich die wohlgemeinte, endlose Suche der netten Dame am Telefon mit der Frage, ob sie das wohl auch für plausibel hielte, und da stimmte sie mir dann ein bisschen hilflos zu.

Also ist die beste Aussage, die ich zu den Wechselgebühren bei Lloyds treffen kann: offenbar sowas wie knapp 3% Provision für den Devisenwechsel, und darüber hinaus vielleicht noch ein Fixbetrag von £7 fürs Entgegennehmen einer Überweisung aus dem Ausland. Je nach Gesamtbetrag mehr oder weniger gut als die SWIFT-Überweisung mit der Deutschen Bank — ab knapp über 1000€ hat die SWIFT-Überweisung die Nase vorn.

Es bleiben: die Drittanbieter. Weil Währungstausch bei Banken ganz offensichtlich eine breite Marktlücke für preisgünstigere Anbieter lässt, haben sich in dieser speziellen Lücke eine ganze Reihe solcher versammelt. Judith hatte schon vor ihrem Umzug TransferWise gefunden, und ich habe später noch CurrencyFair aufgetan.

Beide Dienste arbeiten nach dem gleichen Prinzip: Sie wechseln einfach gar kein Geld, sondern bringen im großen Stil Euro-zu-Pfund-Überweiser mit Pfund-zu-Euro-Überweisern zusammen. Wenn ich 1000€ nach England überweisen will und jemand zur gleichen Zeit den entsprechenden Pfund-Betrag in Euro nach Deutschland (oder sonstwohin im Europäischen Wirtschaftsraum), dann tauschen wir einfach, und niemand muss Wechselgebühren zahlen.

Die durchs Nicht-Wechseln gesparten Gebühren wollen dann natürlich die Anbieter solcher Dienste haben, aber in deutlich geringerem Maße:

  • TransferWise will pauschal 0,5% des Gesamtbetrags und bietet dafür einen vollautomatischen Service, bei dem man eine Überweisung in fünf Minuten erledigt haben kann. (Bis das Geld beim Empfänger ist, dauert’s natürlich trotzdem ein paar Tage, aber das ist den leider normalen Überweisungsdauern zwischen den Banken geschuldet.)
  • CurrencyFair versteht sich als „Marktplatz“ für Transaktionen wie die oben beschriebene und erfordert auch im einfachsten Fall deutlich mehr Mikromanagement seitens des Benutzers: Erst muss der Kunde Geld in der Ursprungswährung auf sein persönliches CurrencyFair-Konto überweisen (und warten, bis es da ist); dann wechselt er das Geld auf dem „Marktplatz“ in die Zielwährung; dann kann er das gewechselte Geld auf das Zielkonto überweisen. Der Vorteil ist, dass man den Wechselkurs kontrollieren kann — schlimmstenfalls muss man halt warten, bis jemand zu diesem Kurs in die andere Richtung zu wechseln bereit ist; aber dafür ist man deutlich länger mit diesem ganzen Akt beschäftigt.

Wer mir was Nettes tun will, kann auf diesen Link hier klicken, sich darüber bei TransferWise registrieren und eine kostenlose Auslandsüberweisung durchführen — für jeweils drei derart durchgeführter kostenloser Erstüberweisungen von Neukunden, die ich TransferWise verschafft habe, bekomme ich £50. Davon kann ich dann mit Judith schön essen gehen.

Ach ja, die versprochene Schote

Aus regulatorischen Gründen und wegen des Geldwäschegesetzes verlangen sowohl TransferWise als auch CurrencyFair, dass man sich ausweist, bevor man beginnt, nennenswerte Geldbeträge über ihre jeweiligen Dienste in der Welt herumzuschaufeln. CurrencyFair fordert dazu (im Gegensatz zu TransferWise) schon direkt nach der Registrierung auf. Dagegen habe ich nichts einzuwenden, also lade ich einen Scan meines deutschen Personalausweises hoch: Vorder- und Rückseite.

Einen knappen Tag später bekomme ich eine E-Mail vom CurrencyFair-Support: Man danke mir für diesen Identitätsnachweis, aber ich möge zur Vervollständigung meiner Registrierung doch bitte auch noch einen Adressnachweis hochladen.

Uhh, was? „Meine Adresse steht hinten auf dem Personalausweis. Offizieller geht’s bei uns nicht“, antworte ich.

„Wir benötigen leider unbedingt zwei separate Dokumente: eins als Identitäts- und eins als Adressnachweis. Laden Sie einfach einen Scan Ihres Reisepasses hoch.“

„Mein Reisepass nennt meine Adresse gar nicht. Ich habe Ihnen daher statt dessen einen Scan eines aktuellen Melderegisterauszugs [den ich vor wenigen Wochen mal auf Vorrat vom Bürgeramt geholt hatte] hochgeladen. Auch das ist ein offizielles Dokument hier in Deutschland, das ausdrücklich und spezifisch dem Zweck eines Adressnachweises dient.“

„Tut uns Leid, sowas können wir nicht als Adressnachweis akzeptieren. Bitte laden Sie einen Scan Ihres Reisepasses hoch.“

Aber mein Reisepass sagt gar nichts über meine A– — — ach, WTF. „Hier ist mein Reisepass.“

„Danke! Ihre Registrierung ist jetzt vollständig.“

Yay.

Eurosterling