Don’t cross the streams!

[Maus] Eine Frage, die mir lange im Kopf herumschwirrte, konnte ich dank eines YouTube-Videos klären: Warum benutzen die Briten separate Heiß- und Kaltwasserhähne?

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Diese Wasserhähne sind schon recht nervig. Man muss sich jedesmal beim Händewaschen entscheiden, ob man sich die Hände verbrühen oder lieber mit kaltem Wasser waschen möchte. Ich liebe lauwarm, aber das ist hier nur mit unserer PowerShower zu bekommen. Mischbatterien sieht man höchst selten und wir grübelten ein ums andere Mal, warum die Briten es sich so schwer machen.

[youtube https://www.youtube.com/watch?v=HfHgUu_8KgA?feature=player_detailpage&w=640&h=360]

In dem YouTube-Video wird (in Englisch) erklärt, was der Grund für die getrennten Hähne ist: In vielen Häusern, die nach dem Zweiten Weltkrieg gebaut wurden, gibt es auf dem Dachboden einen Kaltwassertank. Dieser speist einen Heißwassertank. Das heiße Wasser aus diesem Tank ist kein Trinkwasser! Dadurch, das es sich über längere Zeit im Kaltwassertank befindet, ist die Wasserqualität entsprechend schlecht. Das Kaltwasser dagegen kommt direkt aus der Hauptleitung und ist trinkbar.

Wenn man nun eine Mischbatterie einbauen würde, bestünde die Gefahr, dass das „kontaminierte“ Heißwasser sich mit dem trinkbaren Kaltwasser mischt und im schlimmsten Fall in die Hauptleitung zurückfließt und das Trinkwasser eines gesamten Straßenzuges verunreinigt.

Und deshalb kreuzt man niemals die Ströme!

Don’t cross the streams!

Fettlebe

[Mych] „Ich seh überhaupt keinen Unterschied“, beschwert sich Judith nach einem Blick in den Spiegel – und stellt ihren Gürtel um ein Loch enger, weil sonst die Hose nicht hält. In der Küche stehen die Reste unseres gestrigen Abendessens: Broccoli mit ordentlich Käse überbacken – mjamm.

Heute bin ich schlank, aber das war nicht immer so. Irgendwann in meinen späten Zwanzigern (vor ungefähr zehn Jahren) stellte ich eines Tages fest, dass die traditionelle allweihnachtliche Gewichtszunahme sich bis Ende September immer noch nicht wieder gegeben hatte: Ich war drauf und dran, den Weg zum schmerbäuchigen Mittdreißiger einzuschlagen.

„Fett reduzieren!“, suggerierten die Regale im Supermarkt. Ich setzte mir ein tägliches Fett-Limit – 30 Gramm, inklusive der „versteckten Fette“, die man nur auf der Nährwerttabelle findet –, und hielt das ungefähr ein Jahr lang ziemlich konsequent durch. Und es wirkte! Als pummeliger Endzwanziger hatte ich 85 Kilogramm gewogen – das entspricht einem Body-Mass-Index (BMI) von 26,5 bei meiner Größe, klassifiziert als „leicht übergewichtig“ –, und jetzt ich hatte mein BMI-Ziel von 22,5 erreicht, mitten im Normalgewichtbereich: 72 Kilogramm. Keine Pausbäckchen mehr, und kein Grund mehr, nur in Schlabber-T-Shirts und weiten Pullis rumzulaufen.

Was ich dabei gelernt hatte:

  • Mein Körpergewicht kann von einem Tag auf den nächsten um mehr als 1-2 Kilogramm schwanken – in beide Richtungen. Das ist normal.
  • Je mehr ich „drin“ war, desto mehr verschwand das ständige Hunger- oder Appetitgefühl. Am unangenehmsten waren (nach einem Tag der Schwäche) immer die ersten ein bis zwei Tage, dann ging’s wieder gut.
  • Sich mit dem Aussehen seines Körpers wieder wohl zu fühlen wirkt Wunder.

Oh, und:

  • Fett reduzieren ist Blödsinn.

Was bei mir gewirkt hatte, war, dass ich weniger zu mir nahm, weil ich darauf achtete, was ich aß.

Vor ein paar Monaten kratzte die Waage bei Judith und mir (nach einer Woche English Breakfast) wieder an Höchstgewichten, die wir beide eigentlich nie mehr hatten erreichen wollen.

Und dann entdeckten Judith und ich Keto.

Die Keto-Diät ist kontraintuitiv für jemanden, der in deutschen (oder englischen) Supermärkten kultiviert wird: Nicht Fett ist böse, sondern Kohlenhydrate – nicht mehr als 25–50 Gramm davon pro Tag. Das zwingt den Körper innerhalb von ein paar Tagen dazu, nicht mehr haufenweise Insulin auszuschütten, um Zucker zu verbrennen, sondern in den Ketose-Modus umzuschalten und aus Fett Energie zu gewinnen. Und zwar nicht nur aus dem Fett im Essen, sondern auch dem bereits eingelagerten.

Also eigentlich ganz simpel: Wenn meine Kalorien nicht aus Kohlenhydraten – Brot, Nudeln, Reis, Zucker – kommen dürfen, dann muss ich sie mir in Form von Fett (oder Eiweiß) zuführen. Zu viel Eiweiß ist auch keine gute Idee, weil der Körper das in Zucker umwandeln kann; also: hauptsächlich Fett. Webseiten wie der Keto Calculator (englisch) helfen dabei, auszurechnen, wieviel Fett und Eiweiß man zu sich nehmen muss, um entweder sein Gewicht zu halten oder abzunehmen – inklusive eines hübschen Graphen mit Gewichtsprognose.

Judith und ich machen das jetzt seit einigen Wochen, und …

  • Es funktioniert tatsächlich. Judith hat ihr Nahziel schon erreicht (will aber noch tiefer gehen – ungefähr zum gleichen BMI wie ich; sie wiegt schon jetzt weniger als ich, aber sie ist auch eine Handbreit kleiner). Bei mir zeigte die Waage heute Morgen 72,1 kg an – hundert Gramm über dem Ziel.
  • Es ist lecker! Wir lieben Käse. Und Fleisch. Und Bacon. Und wir haben kürzlich mal fritierte Avocado in einer Panade aus Mandelmehl und Parmesan zusammen mit ebenfalls fritiertem Halloumi gegessen. Mmmh. Auf Brot und Kartoffeln und Nudeln verzichtet es sich erstaunlich leicht, sogar im Urlaub.
  • Wir haben kaum Hunger. Das heißt nicht, dass wir unser Essen nicht genießen können – vielleicht sogar um so mehr. Und wir fühlen uns fit dabei. (Wir haben dieser Tage eher das Problem, dass wir beim Zusammenrechnen am Abend feststellen, dass wir eigentlich noch was essen müssten, um nicht zu wenig gegessen zu haben – wer zu wenig isst, baut Muskeleiweiß ab, und das wäre ja auch doof.)

In /r/keto auf Reddit posten jeden Tag ein halbes Dutzend Leute Vergleichsbilder von sich selbst mit dem Etikett „[SV]“ (für „scale victory“ – ein Sieg auf der, oder über die, Waage) – oder erzählen darüber, wie erstaunlich leicht ihnen diese Diät fällt; oder wie sie sich gefühlt haben, als ihnen am Morgen zum ersten Mal in ihrem Leben jemand sagte, dass sie schlank seien.

Wer leckere Rezepte sucht, findet die in /r/ketorecipes (Suppen, Gratins, Fleischgerichte, kreative Nudelsubstitute als Träger für die leckere, schon an sich ketokompatible Carbonara oder Bolognese).

Fettlebe

Heimkehr

[Mych] Es ist Dienstag, der 4. November, 3 Uhr morgens — gestern war mein Geburtstag. Auf dem Fußabtreter hinter der Haustür liegt der erwartete Berg an Post, die sich im Laufe der letzten drei Wochen angesammelt hat.

Drei Wochen Ausnahmezustand.

Freitag, 31. Oktober, nachmittags. Meine Mutter fährt mit uns zum Pflegeheim. Wir haben den Vormittag und den Tag davor damit verbracht, ihr Zimmer dort ein bisschen wohnlicher einzurichten — ein paar hübsche, kleinere Möbel noch aus der Japan-Zeit meiner Eltern; ihr Fernseher; ihre neue Couch.

Es ist uns allen bewusst, dass dies der einzige Weg ist. In dem großen Haus kann sie nicht alleine bleiben. Sie fühlt sich gefangen dort, sagt sie, und das ist nachvollziehbar: Mehrere Stufen führen zur Haustüre hoch, und den Weg in den Garten versperren mehrere unüberwindliche Schwellen. Das Haus war noch nie rollstuhlgeeignet, und die Rampe vor dem Haus war schon immer nur eine Notlösung.

Auch das Pflegeheim ist nur eine Notlösung. Anfang des Jahres wird sie in betreutes Wohnen umziehen — in eine Eigentumswohnung auf dem gleichen Gelände. Von ihrem Balkon aus wird sie ein bisschen in die Schweiz hinüber sehen können. Anfang nächsten Jahres soll die Wohnung bezugsfertig sein. Noch viel zu tun bis dahin. Immerhin etwas, auf das man sich freuen kann.

Mittwoch, 22. Oktober. Meine Tage bestehen aus Telefonieren und Autofahren. Der Audi meines Vaters ist fast so alt wie das Haus, aber er fährt noch gut. Ich spreche mit dem Anwalt, der Bank, der Immobilienverwaltung.

Judith ist da. Ich bin so froh, dass Judith da ist. Sie kam mit dem ersten Flug, den sie bekommen konnte, nachdem wir an meinem ersten Abend hier vor einer guten Woche telefoniert hatten. Wir hatten meine Mutter aus dem Krankenhaus geholt, in dem sie vom Kriseninterventionsdienst des Roten Kreuzes untergebracht worden war, um versorgt zu sein. Unsere kleine WG im Haus meiner Eltern funktioniert recht gut — wir halten zusammen. Wir machen das Beste aus unserer Lage.

Montag, 20. Oktober, früher Nachmittag. Die Leute aus der Gärtnerei haben sich viel Mühe gegeben: Eine schöne, geschmackvolle, schlichte Kombination aus rot melierten Wildrosen und grünen Blattgewächsen ziert den Raum.

Die junge Pfarrerin schreitet durch den Gang und bleibt vorne kurz stehen. Ich habe einen Kloß im Hals. Meine Mutter sitzt neben mir, im Rollstuhl, und hält meine Hand — oder ich ihre. Die Glocke, die draußen vor der Türe minutenlang geschlagen hatte, verklingt langsam. Eine ältere Frau sitzt an der elektrischen Orgel und spielt; schöne, klassische Musik.

Die Pfarrerin erzählt von meinem Vater — das, was wir ihr am Samstag zuvor unsererseits über ihn berichtet hatten: ein zufriedener, ruhiger, bei allen beliebter Mann, dem es immer am wichtigsten war, dass seine Familie gut versorgt war. Der nie ein Wort der Klage hören ließ. Der meine Mutter über Jahre alleine in dem großen Haus versorgte, seit sie ihren Schlaganfall gehabt hatte.

Es sind viele Leute gekommen. Die meisten kenne ich — einige von ihnen sehe ich zum ersten Mal seit langen Jahren. „Tante Heidi“. „Onkel Bernd“. Mein ehemaliger Schulrektor. Alte Freunde der Familie; alte Freunde von meinem Vater.

Sonntag, 12. Oktober, zur Mittagszeit. Judith und ich sind in der Türkei und machen im Mittelmeer unseren ersten Tauchgang.

Im Kreiskrankenhaus Lörrach stirbt mein Vater an den Folgen einer inneren Blutung.

Heimkehr

Bijou, 15. März 2003 — 21. September 2014

[Mych] Zu wissen, dass es kommen wird, macht es nicht leichter, es zu ertragen.

Gestern Morgen wollte Bijou Judith wie üblich beinahe noch ihre (oder, wie er sicher dachte, seine) Frühstücksbanane aus der Hand reißen.

Bijou in Judiths Armen auf der Couch vor anderthalb Wochen

Gestern Abend fiel uns auf, dass er ein wenig angeschlagen wirkte; heute Morgen hörten wir, wie er angestrengt atmete. Der Arzt in der Notfallklinik diagnostizierte ein Problem in der Lunge und ertastete einen empfindlichen Punkt nahe Bijous Leber. Wir hätten ihn 24 Stunden alleine in der Klinik lassen können, und falls er das überlebt hätte, hätten wir vielleicht gewusst, ob man das behandeln könnte. Oder wir hätten ihn nach Hause nehmen können, 24 Stunden selbst zwangsernähren und mit Medikamenten versorgen können — ohne einen klaren Plan, was danach geschehen sollte.

Man gab uns so viel Zeit, wie wir brauchten, um zu einer Entscheidung zu gelangen. Am Ende unterschrieben wir einen Zettel, Judith nahm Bijou in den Arm, und der Arzt injizierte eine Überdosis Betäubungsmittel durch die Kanüle in seinem Bein. Es dauerte nur wenige Sekunden.

Bijou schlief in Judiths Armen ein. Wir blieben noch lange Zeit bei ihm und nahmen Abschied.

Tschüß, Bijou. Du hast unser Leben berührt, und wir vermissen dich. Aber jede Erinnerung an dich wird uns Freude bringen.

Bijou, 15. März 2003 — 21. September 2014

Kettengang

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[Maus] Es war stressig in der letzten Zeit. Ich schlug mich mit allerlei Problemchen im Labor herum und merkte, wie mich die Arbeit auslaugte. Nicht zuletzt lag das an einem nervenaufreibenden Studenten, der mich mit seiner Unruhe und fehlender Ernsthaftigkeit um den Verstand brachte.

Endlich war es Zeit für einen Urlaub. Unsere Idee ist es, Großbritannien zu erkunden, während wir hier sind, und so sollte unser erster Urlaub uns irgendwo hin auf unserer Insel führen. Unser gemeinsames Hobby — Geocaching — sollte zufällig unseren Zielort bestimmen: Fife. Fife liegt in Schottland in der Nähe von Edinburgh und hat eine wunderschöne wilde Küste mit Sandstränden.

Doch wie kam es eigentlich dazu?

Vor nicht allzu langer Zeit beschlossen wir, wieder mehr spannende Geocaching-Abenteuer zu erleben. Da in der näheren Umgebung aber in dieser Hinsicht gähnende Langeweile herrscht, hat Michael nach 5/5er-Geocaches gesucht — also Geocaches mit der höchsten Terrain- und Schwierigkeitswertung. In Deutschland sind die rar und so schwierig, dass man sie nur mit viel Equipment und häufig mit sehr viel Rätselei angehen kann.

Also genau das Richtige, um ein Abenteuer zu erleben.

Michael stieß jedenfalls bei seiner Suche auf einen Earthcache in Fife, bei dem schon der Name äußerst interessant klang: Volcanic Mayhem — Kincraig Point. Und die Fotos erst! Wir waren uns sofort einig, dass wir da hin wollen. Unser geplanter Urlaub hatte noch kein Ziel, also beschlossen wir spontan, nach Fife zu fahren.

Nachdem wir auf dem Weg nach Fife und in Fife selbst schon viele schöne Orte besucht hatten, konnten wir es kaum noch erwarten, endlich diesen Earthcache aufzusuchen. Earthcaches sind eine Besonderheit beim Geocachen: Man findet keine Box mit einem Logbuch, sondern einen geologischen Schatz. Der Küstenbereich bei Kincraig Point war im Karbon durch vulkanische Aktivität entstanden. Während der Flut ist dieser Bereich unzugänglich und bei Ebbe erreicht man ihn nur über einen sogenannten Chainwalk — sowas wie einen Klettersteig mit Ketten zum Festhalten.

Schon auf dem Weg dorthin fanden wir am Strand riesige schwarze poröse Steine vulkanischen Ursprungs.

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Es war sehr windig und ich hatte Muffensausen, aber da wir beide Sicherheitsfanatiker sind (oder wie Michael mal so schön zu mir sagte: „Wir brauchen deinen Kopf noch!“), hatten wir Helme, Klettersteigsets, festes Schuhwerk und Handschuhe dabei. Nachdem wir unser Equipment angelegt hatten, stürzte sich Michael als erster ins Vergnügen. (Er ist der Mutigere von uns beiden.)

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Auf glitschigem Gestein und an der Kette hängend war mir auf dem ersten Teilstück noch mulmig zumute, aber bald schon vergaß ich meine Angst, mir den Schädel zu zertrümmern oder unterzugehen (durch das Klettersteigset und den Helm war das quasi unmöglich) und genoss diese einmalige Landschaft. Die Gezeiten nagen an den Felsformationen, und das poröse Vulkangestein hat dem nichts entgegenzusetzen.

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Kincraig4

Man fühlt sich wie auf einem anderen Planeten. Die Gischt spritzt unter einem hoch und der Wind zerrt an dir. Es riecht herrlich nach Meer und trotz dem das Meer tost und rauscht, fühlt sich alles so ruhig an. Unwirklich.

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Der Devil’s Tower (Teufelsturm) beeindruckt durch seine schiere Größe. Als hätte jemand gigantische Säulen am Strand aufgestellt. Ursprünglich müssen die Gesteinsschichten horizontal gelegen haben; im Laufe der Jahrmillionen wurden die Säulen durch Faltung aufgerichtet.

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Michael war in seiner Faszination für diese Landschaft gefangen und bemerkte nicht einmal, dass wir längst am Ende des Chainwalks angekommen waren. Ich konnte ihn gerade noch aufhalten, einen Satz über die nächste Kluft zu machen.

Wir hatten uns ein Abenteuer erhofft und es bekommen.

Kettengang

Was vom Haare übrig blieb

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[Mych] „Es ist so heiß hier drunter“, beschwerte sie sich. „Es ist so, als würde ich ständig einen Helm tragen.“

Den Friseur in fußläufiger Nähe, den sie im Internet gefunden hatte („Attractions Hair & Beauty“), fanden wir einfach nicht. Aber gegenüber — direkt neben dem Pub, an dem ein großes Stofftransparent jemandes Hochzeit verkündete — sahen wir ein attraktives Ladenschild für „Annette’s Hair & Beauty“. Nicht die, die wir gesucht hatten, aber ähnlich genug. Kein Ladengeschäft, sondern offenbar ein Studio im ersten Obergeschoss des Hauses.

Als wir uns an der Hauswand entlang in Richtung Eingang drückten, kam uns schon eine junge Frau entgegen, die uns nett anlächelte und ein bisschen nach Friseurin aussah. Drinnen ging’s eine enge Treppe hoch, die in einem winzigen Flur mit einer Garderobe mündete. Hinter einer der Türen war entspannte, fröhliche Konversation zu hören. Es dauerte nur einen Moment, bevor jemand uns bemerkte.

Annette erwies sich als sympathische Dame mittleren Alters. Judith hatte natürlich keinen Termin, aber — „Sie haben Glück. Normalerweise würden wir am Samstag niemanden mehr dazwischen quetschen können, aber heute waren wir alle besonders früh da, weil wir die Braut und ihre Jungfern zurecht gemacht haben. Ich hab meine Mädels schon nach Hause geschickt, aber eigentlich haben wir tatsächlich noch bis zwei offen. Setzen Sie sich — ich schneid‘ Ihnen die Haare gerne noch.“

Und dann ging’s los. Judith hatte Bedenken gehabt, wie sie beim Friseur wohl rüberbringen sollte, was für eine neue Frisur sie haben wollte, also hatte sie ein Foto aus dem Internet ausgedruckt und mitgebracht. Das Foto war nützlich, aber tatsächlich stellte sich die Kommunikation mit der netten Dame als völlig problemlos heraus. Während sie wusch, rasierte und schnitt, beobachtete ich Judiths Transformation fasziniert und nippte an meinem Kaffee, den man uns angeboten hatte. Beim Pub nebenan, auf dessen Fronteingang man einen guten Blick vom Haarstudio aus hatte, fuhr irgendwann ein Sattelschlepper mit einer Entourage von Motorrädern vor und gab einen Bräutigam, eine Braut und eine erstaunliche Anzahl von Brautjungfern von sich.

Wieder zu Hause: Fototermin.

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Die viele Dreherei macht Judith natürlich ganz mau im Kopf. Aber ganz abgesehen davon kann man auch sonst mit ihrer neuen Frisur ’ne Menge Spaß haben …

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Was vom Haare übrig blieb

Bei Ritters zu Haus

[Maus] Wir leben schon längere Zeit am Rande des Warwickshire, aber ein Ausflug zum berühmten Warwick Castle stand immer noch an. Es bot sich die Gelegenheit für einen solchen Ausflug, als wir Besuch aus der Heimat bekamen.

Wirft man einen Blick auf die Website des Warwick Castle, fällt einem sogleich ins Auge, dass eine gewisse Ähnlichkeit zu einer bestimmten Sorte Attraktion besteht – die Website schreit einem entgegen: „Willkommen im Themenpark Mittelalter!“ So ein Themenpark hat ja üblicherweise auch saftige Preise, und der Anschlag an der Kasse bekräftigte diese Theorie nur. Stolze £24 pro Nase wollen sie für einen Eintritt ohne zusätzliche Attraktionen. (Ich komme später noch auf einige von denen zurück.)

Ich höre hier übrigens nur selten jemanden das Wort pound benutzen, wenn es darum geht, wieviel etwas kostet. Statt dessen sagt man hier quid – lateinisch für „irgendwas halt“.

Zu unserem Glück mussten wir jedoch keine £24 pro Person hinblättern, denn wir hatten 2-for-1 Vouchers: Gutscheine, mit denen zwei Personen für den Preis für eine Eintritt erhalten. Die hatten wir von unserem nahegelegenen Supermarkt in Form eines Aufdrucks auf der Rückseite unserer Kassenbons bekommen. Dieser Preis schien mir dann insgesamt auch angemessener.

Tatsächlich bekommt man Einiges geboten für sein Geld. Wir begannen unsere Schlosstour mit einem kleinen Imbiss, und dann gingen wir zu einer Greifvogelflugvorführung (so ein schönes langes Wort kann man nur im Deutschen kreieren).

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Überall auf dem Gelände befinden sich kleine Stände, an denen man für kleines oder großes Geld seine Kinder beglücken kann. So kann man beispielsweise Bogenschießen üben oder seiner Tochter eine pinkfarbene Ritterkluft kaufen, aber für Ersteres fehlte uns die Zeit, und für Letzteres die rosa Tochter. Statt dessen stiegen wir auf die vorhandene Burgmotte (Ethelfledas Hügel), die dazu diente, Angreifer rechtzeitig auszumachen. Von dort aus hat man zur einen Seite blickt man über den Burghof, und in der anderen Richtung hat man einen herrlichen Blick auf die sanften Hügel der Umgebung – und auf das größte funktionsfähige Trebuchet der Welt.

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Unsere selbstgewählte Tour führte uns nun in eine Ausstellung mit dem Namen „The Kingmaker“ – benannt nach Richard Neville, Earl von Warwick, der seinerzeit gleich zwei englischen Königen zum Thron verholfen hatte. Die ganze Burg wird von Wachsfiguren bevölkert, die so wirken, als würde man sie gerade bei ihren alltäglichen Verrichtungen beobachten – untermalt von ihren Gesprächen und Diskussionen, als würde man durch einen belebten Haushalt wandern. Mit sehr viel Liebe zum Detail wird da das Leben in der mittelalterlichen Burg nachgestellt. Michael entlieh sich von einem Rüstungsschmied einen frisch reparierten Helm, der zwar schwer was hermachte, aber irgendwie offenbar nicht ganz einfach in der Benutzung war:

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Mein Vater mischte sich so gut unters Burgvolk, dass man im ersten Augenblick nicht erkannte, dass er nicht auch aus Wachs ist. (Oder ist das einfach seine perfekte Haut?)

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Ein weiteres Highlight war die mittelalterliche Latrine, die von Michael getestet wurde. Ein Blick unter den Toilettendeckel gewährt einen Blick auf den Fluss, der unter der Burg entlangfließt.

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Das nächste Ereignis auf unserer Tour war eine Führung in einem weiteren Teil des Schlosses. Ein sehr enthusiastischer junger Mann mit einem Tablet-PC weihte uns in alle Geheimnisse und die Historie des Gemäuers ein. Unter den dargebotenen Gegenständen befanden sich ein beeindruckender Büfetttisch, der in einem Stück aus einem gewaltigen Baumstamm herausgeschnitzt worden war, und zahlreiche (passend gemachte) Originalgemälde von Anthony van Dyck sowie riesige handgeknüpfte (und später ebenfalls passend gemachte) Bilderteppiche aus Delft. Die Besitzer müssen so unglaublich reich gewesen sein, dass es ihnen schlicht egal war, wieviel Mühe in diesen Kunstwerken steckte.

Weiter ging es zum Guy’s Tower, einem Teil der Verteidigungsanlage. Man erreicht die Aussichtsplattform über eine schwindlig machende enge Wendeltreppe, die einem endlos erscheint, aber deren Erklimmung durchaus der Mühe wert ist, denn oben wird man mit einem einzigartigen Ausblick über Warwick belohnt.

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Wir setzten unsere Erkundungstour an der Wassermühle fort. Vor dort kann man direkt ins Land der Riesen hinüberschauen und sich vorstellen, Gulliver persönlich werde sogleich zwischen den Blättern des Riesenrhabarbers hervortreten.

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Die Mühle mahlte ursprünglich jahrhundertelang Getreide (und ermöglichte dem Müller seinen branchenüblichen Nebenverdienst als Aalfänger), wurde aber im 19. Jahrhundert für die Erzeugung von Strom aufgerüstet, so dass sogar fließend warmes Wasser verfügbar war. Nachdem wir uns an der herrischen Ausbilderin für Dienstpersonal vorbei geschlichen hatten, begegneten wir auf dem Weg zur Trebuchet-Vorführung dann auch noch dem an der Wassermühle beschäftigten Schornsteinfegerjungen.

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Das Trebuchet von Warwick ist, wie ich bereits schrieb, voll funktionsfähig und im Eintrittspreis mit inbegriffen ist eine Vorführung desselben. Zwei seitlich angebrachte Laufräder dienen dazu, das Gewicht anzuheben und damit die Schleuder zu spannen. Die wackeren Verteidiger, die das ganze Geschehen kommentierten, zündeten zuletzt noch das Geschoss an und lösten dann das Trebuchet aus, das den lodernden Feuerball in hohem Bogen den angreifenden Truppen entgegen schleuderte – beeindruckend, sowas mal nicht nur auf der Leinwand zu sehen.

Wer nach all diesen Attraktionen noch nicht genug und auch noch Geld locker hat, kann sich außerdem noch ins Dungeon begeben, mit seiner Tochter in den Princess Tower gehen oder sich in die geheimen Räume des Schlosses führen lassen.

Bei Ritters zu Haus

Fun Fact #7

[Mych] Diese Straße gibt’s südlich vom Hauptbahnhof in Coventry:

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„Toll“, dachte ich mir. „Das ist ja so wie Weihnachten — Christmas — nur nicht für Chris, sondern für mich!“

Einer der beiden Freunde aus London, die mit uns an dieser Bushaltestelle auf den Bus nach Warwick warteten, erläuterte uns sogleich, was es damit auf sich hat: Michaelmas ist das Fest des Heiligen Michael. (Da lag ich also gar nicht so falsch.) Der ist der Erste meines Namens, und man feierte ihn bis ins 18. Jahrhundert am 29. September jedes Jahres.

Traditionell wird (wurde?) an Michaelmas (gesprochen: „Mickelmess“) eine ordentlich fette Gans verzehrt — und zwar wohlgemerkt aus dem abstrakten Grund, dass man sich auf diese Weise vor Finanzproblemen im nächsten Jahr schützen kann. (Wenn’s nicht klappt, muss man wenigstens nicht noch eine Gans durchfüttern.) Und man sollte es unbedingt vermeiden, nach Michaelmas — wenn man das nach der noch älteren Tradition erst am 11. Oktober feiert — Brombeeren zu pflücken, weil nämlich irgendwann vor langer Zeit mal jemand in einen Brombeerbusch gefallen ist und sich darüber geärgert hat.

(alle Fun Facts)

Fun Fact #7

Mein Schredder und ich

[Mych] Sowas wie das hier kann man in England als Identitäts- und/oder Adressnachweis benutzen, wenn man ein neues Konto eröffnen oder eine Wohnung mieten will:

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… einen Brief von einer mehr oder weniger offiziellen Organisation (Bank, Stromversorger, Versicherung), der an einen adressiert ist. (Anmerkung zum Foto: die Lloyds-Bank gibt’s wirklich; Mr Baridon nicht, soweit ich weiß.)

So etwas wie unser deutscher Personalausweis steht den Leuten hier in England ja nicht zur Verfügung. (Das ist ein selbst gewähltes Schicksal. Es gab vor ein paar Jahren mal Bestrebungen, sowas einzuführen, aber die Idee war unter den Briten dermaßen unpopulär, dass die nächste Regierung sie als eine ihrer ersten parlamentarischen Entscheidungen sofort wieder einstampfte.)

Allerdings werden solche Nachweisdokumente nur in der obigen Form akzeptiert. Wenn man sie wie folgt vorlegt, kommt man damit nicht mehr durch:

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Und da ich in der Tat nicht möchte, dass jemand in meinem Namen ein Konto oder eine Kreditkarte beantragt und meine hierzulande eh schon eher schwach untermauerte Kreditwürdigkeit zerstört, benötigte ich also ein Gerät, das wesentliche Anteile meines Papiermülls von der erst- in die zweitgenannte Form konvertiert: einen Schredder.

Die preisgünstigsten Modelle produzieren Papierstreifen, und zugegebenermaßen reicht das für fast alle praktischen Zwecke vollkommen aus, solange man den Text quer zur Schneidrichtung in das Gerät füttert. Die etwas besseren schnipseln die Streifen auch noch quer, und deren Qualität bemisst sich dann in den Quadratmillimetern bzw. der Anzahl der Konfetti, in die sie ein A4-Blatt zerlegen.

Ich habe eine Schwäche für (eine bestimmte Sorte von) Gadgets. Und während ein Schredder nicht unbedingt ganz oben auf meiner Liste stand, will ich wenigstens einen guten kaufen, wenn ich schon überhaupt einen brauche.

Die meisten der Modelle, die man bei Amazon so angeboten bekommt und die nicht nur Papierspaghetti von sich geben, erzeugen Schnipsel der Sicherheitsstufe 3 — ungefähr die Größe von Mini-Fusili (für „vertrauliches Schriftgut“). Bei mir steht jetzt einer mit Sicherheitsstufe 4 (für „geheimzuhaltendes Schriftgut“), dessen Erzeugnisse so aussehen wie das Häufchen oben. Damit auch wirklich niemand in unserer Recycling-Tonne wühlen und so feststellen kann, wie viel Geld ich bei iTunes lasse.

Und an einem der nächsten Tage werden mein Schredder und ich uns mit dem Stapel Werkstattrechnungen befassen, den ich ich jüngst aus meinem Handschuhfach geholt habe, und die bis zur Jahrtausendwende zurück reichen. Das wird ein Fest …

Mein Schredder und ich

So long, and thanks for all the miles

[Mych] Eigentlich war’s eher ein Versehen, dass wir meinen Seat mit nach England genommen habe. Aber niemand sonst wollte das Karnickel transportieren — außer vielleicht in einer dunklen Kiste im Frachtraum eines Fliegers.

Also kam er mit, statt dass ich ihn noch in Deutschland verkauft hätte. Mit fast anderthalb Jahrzehnten auf dem Buckel hätte er sich seinen Ruhestand auch redlich verdient gehabt; aber so musste er nochmal ran. 1300 Kilometer. Und er hat wacker durchgehalten. Aber England war einfach nicht der rechte Ort für ihn.

Ungefähr drei Optionen hatten wir:

  • Für den Zulassung in England umrüsten und ummelden. Das Umrüsten besteht aus eigentlich nur drei Dingen: Scheinwerfer so abkleben, dass sie den Gegenverkehr nicht blenden; eine Meilen-Skala auf den Tacho; und eine Nebelschlussleuchte rechts. Aber dann würden wir immer noch auf der falschen Seite sitzen, und die Gewalttour über die belgischen Autobahnen hatte den Seat mit einem beunruhigenden Klappern irgendwo vor oder unter uns hinterlassen, das nichts Gutes verhieß.
  • Verschrotten, und dann nur noch Fahrradfahren. Und tatsächlich kommt man zu Fuß oder mit dem Fahrrad in Coventry ziemlich weit — Judith fährt jeden Tag zur Arbeit und braucht dafür halb so lange wie mit dem Bus –, aber eben auch nicht viel weiter als bis knapp über Coventry hinaus. Ein Wochenendtrip nach Nottingham mit dem Fahrrad hat schon Charme, aber die Option, einfach ein Stündchen mit dem Auto dort hin fahren und dann dort um so mehr unternehmen zu können auch. (Vor allem, wenn man einen Kofferraum voll Geocaching-Ausrüstung mitnehmen möchte.)
  • Einen Gebrauchten kaufen und dem Händler dafür den Seat überlassen. Wenn wir einen finden, der ein altes Auto mit Linkslenkung in England haben will.

Übrigens — was zwar gerne gelebt wird, aber zumindest formell keine Option ist: einfach niemandem was sagen und mit der deutschen Zulassung weiter fahren. Meine deutsche Autoversicherung hatte mir zwar mitgeteilt, dass sie weiterhin haften würde, wenn was wäre, aber schon allein die Zulassung in Frankfurt ist ohne Wohnsitz in Deutschland eine fragwürdige Angelegenheit — und die britischen Behörden betrachten ein Auto, das von einem in England Ansässigen gefahren, aber nicht vor Ort versteuert wird, als Steuerhinterziehung. Und als ansässig gilt man spätestens dann, wenn man in England eine Wohnung mietet oder einen Job hat — sofort, nicht erst nach einem halben Jahr Aufenthalt. Man bekommt eine Gnadenfrist von 14 Tagen ab Ankunft, aber das war’s auch.

Naja. Klare Sache also: Wir besorgen uns einen Gebrauchten. Und nach gar nicht allzu langer Stöberei im Internet hatten wir einen Händler in Coventry ausgemacht, der einen gar nicht so alten Škoda Fabia zu einem vernünftigen Preis anbot.

Letzten Samstag waren wir da und sind probegefahren — mit der linken Hand zu schalten ist ziemlich ungewohnt, und irgendwie ist auch nicht auf Anhieb intuitiv, dass der größte Teil der Wagenbreite links und nicht rechts von einem ist. Aber ansonsten: Gar nicht so unähnlich meinem Seat, nur mit zwei Türen mehr und, naja, dem Lenker auf der Beifahrerseite. Und meinen Seat wollte mir der Händler für ein paar hundert Pfund auch noch abnehmen. Perfekt.

Also: Anzahlung am Samstag, und heute ging’s zum Autowechsel.

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Mit dem Travelbug auf dem neuen Wagen fühlt er sich schon fast so an wie Zuhause.

Womit ich mich am Vormittag noch rumgeschlagen hatte: Wie meldet man in England ein Auto mit deutscher Zulassung ab?

  • Das Internet ist, wie immer in solchen Fällen, eine Quell jeder Information, die man sich vorstellen kann. Will sagen: buchstäblich jeder. Richtiger, falscher, widersprüchlicher, veralteter, erhoffter, befürchteter und herbeigewünschter.
  • Irgendwer hatte mal behauptet, das Abmelden deutscher KFZ sei eine konsularische Leistung, die man in der Deutschen Botschaft in London in Anspruch nehmen könnte. Deren Website will davon aber nichts wissen, und das Kontaktformular (eine Telefonnummer gibt’s nicht) teilt in freundlicher fett-roter Schrift mit, dass Anfragen, die man zu stellen wage, obwohl deren Antwort irgendwo auf der Website zu finden ist, ignoriert werden.
  • Also, erste Anlaufstelle: die Zulassungsstelle in Frankfurt. Die Dame am Telefon teilt mir mit, ich könne meine Kennzeichen und meinen Fahrzeugschein nach Frankfurt schicken, um sie zu entstempeln. (Der Fahrzeugbrief wird nicht benötigt.) Aber, sagt sie, innerhalb der EU könne die Abmeldung eigentlich auch direkt vor Ort über den Behörden in England erledigt werden. Das klingt gut.
  • Zweite Anlaufstelle: Die DVLA (Driver & Vehicle Licensing Agency). Die dortige Dame sagt mir, dass ihre deutsche Kollegin mir nur die halbe Wahrheit gesagt hat: Ja, die englischen Behörden können eine Abmeldung vornehmen — aber nur im Zusammenhang mit einer Ummeldung auf einen englischen Fahrer. Hm, okay.
  • Jetzt will ich wissen, was meine deutsche Autoversicherung will, um mich rauszulassen. Ich gerate an einen sehr netten und sehr zum Plaudern aufgelegten Herrn, der mich umfassend informiert (auch über die Studienvorhaben seiner Tochter und seinen Bekannten mit dem alten Auto, das er verschenkt hat und jetzt wegen seiner Anhängerkupplung immer wieder mal ausleiht) und mir dabei mit Nachdruck nahe legt, die Abmeldung selbst in die Hand zu nehmen (per Päckchen nach Frankfurt).

Zum Glück hatte die Dame beim Gebrauchtwagenhändler keine Vorbehalte dagegen, dass ich die Kennzeichen abschraube und den Fahrzeugschein mitnehme.

Und, ach ja, mit der Versicherung und der Steuer ist das in England so: Versicherung ist natürlich Pflicht, aber komplett meine Angelegenheit (meine vielen Jahre Schadenfreiheitsrabatt konnte ich leider nicht mitnehmen) — und dass man Steuern zahlt, beweist man mit einer so genannten Tax Disc, die man in einem kleinen Täschchen hinter der Windschutzscheibe stecken hat und alle sechs bis zwölf Monate verlängern muss. (Es gibt auch eine anonyme Hotline zum Verpetzen von Autos ohne Tax Disc.)

Und mein alter Seat steht jetzt beim Händler. Ich habe eigentlich ein sehr pragmatisches Verhältnis zu Autos im Allgemeinen, aber vierzehn Jahre gehen auch an mir nicht ganz spurlos vorüber.

So long, and thanks for all the miles.

So long, and thanks for all the miles